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Von Ryan Khurana.

Künstliche Intelligenz und Automatisierung gelten als für viele Menschen als große Arbeitsplatzbedrohung. Doch die Geschichte macht Mut: Automatisierung führte oft dazu, dass die Menschen sich auf ihren komparativen Vorteil fokussieren konnten und unproduktive Arbeiten von der Technik erledigt wurden. Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, zu einem großen Produktivitätstreiber zu werden, wenn sie nicht durch starre Regulierung auf den Arbeitsmärkten ausgebremst wird.

Viele Menschen treibt die Sorge um, dass zukünftig immer mehr Arbeitsplätze von Künstlicher Intelligenz getriebenen Automatisierung zum Opfer fallen und die Arbeitslosigkeit zunehmen wird. Wenngleich diese Sorgen unbegründet sind, könnten sie schädliche politische Maßnahmen in Gang setzen und so die segensreiche Automatisierung behindern – erste Ansätze einer solchen Überregulierung zeichnen sich bereits im Rahmen des momentan diskutierten EU-Regelwerks für Robotik ab. Bereits John Maynard Keynes prägte die Vorstellung, dass technologischer Fortschritt Arbeitslosigkeit hervorrufen könne. Doch Arbeitslosigkeit und sinkende Löhne drohen nur, wenn die Politik den Wandel behindert. Auf Arbeitsmärkten mit flexiblen Löhnen und Arbeitsbedingungen können Arbeitnehmer weiterhin von KI-getriebener Automatisierung profitieren.

KI-Technologien versprechen Produktivitätsschub

Die Sorge um technologisch bedingte Arbeitslosigkeit entspringt einer engen Sichtweise auf menschliche Fähigkeiten und wirtschaftlichen Bedürfnisse. In produktivitätssteigernden Technologien wie Künstlichen Intelligenzen liegen enorme Chancen, die dazu beitragen können, die derzeitige Wachstumsflaute zu überwinden.

Eine Studie des McKinsey Global Institute kommt zu dem Schluss, dass von Künstlicher Intelligenz getriebene Automatisierung die aufgrund zunehmender Alterung und sinkender Geburtenraten drohenden Produktivitätsverluste in westlichen Gesellschaften abfedern können. Werden Technologien basierend auf Künstlicher Intelligenz früh (d.h. bereits ab 2025) in nennenswerter Weise ausgebaut, könnten sie den Studienergebnissen zufolge das weltweite BIP-Wachstum um jährlich 1,4 Prozentpunkte stärken. Im Wettbewerb agierende Unternehmen sähen sich veranlasst, die Produktivitätsgewinne in Form von Qualitätssteigerungen und niedrigeren Preisen an die Konsumenten weiterzugeben. Die Reallöhne würden also steigen.

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Arbeitnehmer für wertvollere Tätigkeiten frei

Ein weiteres Ergebnis der McKinsey-Studie ist, dass ca. 30 % aller Tätigkeiten in etwa 60 % aller Berufsfelder automatisierbar sind. Dieser vielzitierte Befund lässt bei Skeptikern der Künstlichen Intelligenz die Alarmglocken läuten. Die Konsequenzen sind allerdings unklar. Ein typischer Arbeitnehmer verbringt den größten Teil seiner Arbeitszeit eben nicht mit jenen Tätigkeiten, mit denen er am meisten zum Erfolg des Unternehmens beiträgt. Werden im Zuge der Automatisierung einige Tätigkeiten durch Künstliche Intelligenzen automatisiert, so können sich Arbeitnehmer stärker auf jene Tätigkeiten konzentrieren, durch die sie am meisten beitragen können. Menschliche Arbeit wird durch den technologischen Fortschritt also nicht ersetzt, sondern ergänzt.

Ein anschauliches Beispiel liefert der Effekt von Geldautomaten auf das Bankkundengeschäft: Obwohl Geldautomaten dafür gesorgt haben, dass kaum noch Personal zum Zählen und Aushändigen von Bargeld in Banken beschäftigt werden muss, ist die Nachfrage nach Bankkaufmännern und -frauen nicht gesunken. Vielmehr konzentrieren sich letztere nun stärker auf Tätigkeiten, in denen sie einen komparativen Vorteil haben, etwa den Kundenservice und die Kundenakquise. Gleichzeitig senken Geldautomaten die Miet- und Investitionskosten der Banken, sodass diese mehr Filialen unterhalten können.

Bisherige Studien übertreiben Auswirkungen

Eine OECD-Studie über die Auswirkungen der Automatisierung betont, dass Arbeitsplätze hochgradig heterogen sind, etwa hinsichtlich der Länder und Märkte, in denen sie ausgeübt werden, sowie hinsichtlich des Qualifizierungsniveaus, das sie beanspruchen. Viele ältere Studien ignorieren diese Heterogenität. Wird sie in den Schätzungen berücksichtigt, fällt der Anteil der Jobs mit hohem Automatisierungsrisiko merklich. Das höchste Automatisierungsrisiko besteht demnach in Deutschland und Österreich, wo 12 % der Arbeitsplätze automatisiert werden könnten, vornehmlich im produzierenden Gewerbe. Aber auch das ist kein Grund zur Sorge.

Pflegerische Tätigkeiten schwer automatisierbar

Seit Beginn der Finanzkrise leidet die Weltwirtschaft unter schwachem Produktivitätswachstum, das die Reallohnentwicklung hemmt. Angesichts der voranschreitenden Alterung der Bevölkerung in den meisten OECD-Staaten birgt die Produktivitätsflaute langfristig die Gefahr deutlicher Wohlstandseinbußen. Mit steigendem Durchschnittsalter einer Gesellschaft wächst die Nachfrage nach medizinischen und pflegerischen Dienstleistungen. Für das Vereinigte Königreich gehen Schätzungen beispielsweise davon aus, dass im Jahr 2037 750.000 Arbeitskräfte in diesen Sektoren fehlen werden.

Die Anwendung neuer Technologien auf Basis Künstlicher Intelligenz steigert nicht nur die Produktivität in Branchen mit hohem Automatisierungspotenzial. Zusätzlich wirkt sie auch produktivitätssteigernd in anderen Branchen, in denen menschliche Arbeitskräfte weiterhin wichtig bleiben werden. Wenn etwa der Transportsektor weiter automatisiert und somit effizienter wird, werden zusätzliche Ressourcen für andere Branchen mit geringerem Automatisierungspotenzial frei. So ist die Nachfrage nach Tätigkeiten, die ein hohes Maß an sozialer Kompetenz erfordern, seit 1980 stark gestiegen. Von Künstlicher Intelligenz getriebene Automatisierung wird diesen Trend vermutlich weiter befördern.

Arbeitsmarktregulierung behindert Anpassung

Damit neue Technologien ihre produktivitätssteigernde Wirkung auf dem Arbeitsmarkt realisieren können, müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Auf Arbeitsmärkten – besonders für medizinische und pflegerische Dienstleistungen – sollten Regulierungen dem Beschäftigungszuwachs nicht maßgeblich im Wege stehen. Das Risiko wachsender Arbeitslosigkeit besteht nur dann, wenn die Löhne und Arbeitsbedingungen in den betreffenden Märkten starr reguliert sind und ein Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten besteht. Letzteres ist ein entscheidender Faktor, denn die Vorstellung ist weit verbreitet, dass Menschen lediglich jene Tätigkeiten ausüben könnten, für die sie ursprünglich ausgebildet wurden. In einer dynamischen Marktwirtschaft verschwinden zwar permanent Arbeitsplätze, doch es kommt noch schneller zur Entstehung neuer Arbeitsplätze.

Allzu strikte Arbeitsmarktregulierung birgt die Gefahr, die Entstehung neuer Arbeitsmöglichkeiten im Keim zu ersticken und so Arbeitslosigkeit und ein sinkendes Lohnniveau zu befördern. Arbeitnehmer und Unternehmen sollten die Gelegenheit haben, mit Vertrags- und Beschäftigungsbedingungen zu experimentieren, die neue Möglichkeiten zur Aus- und Umbildung enthalten.

Künstliche Intelligenz und flexible Automatisierung

Insbesondere der Markt für medizinische und pflegerische Dienstleistungen sowie andere Sektoren, in denen die Nachfrage nach menschlichen Arbeitskräften zukünftig steigen wird, könnten von Deregulierung profitieren. In diesen Märkten werden Löhne und Arbeitsbedingungen heute in hohem Maße staatlich beeinflusst. Bei steigender Nachfrage würden die Marktlöhne für Arbeiter im Gesundheitssektor steigen und Anreize geben, umzuschulen und in die boomenden Sektoren zu wechseln. Unflexible Löhne führen zu künstlich erzeugtem Nachfrageüberschuss auf Arbeitsmärkten.

Nicht die durch Künstliche Intelligenz getriebene Automatisierung mit ihrer produktivitätssteigernden Wirkung bedroht Arbeitsplätze und Löhne, sondern schlechte Politik und rigide Arbeitsmärkte.

Zuerst erschienen bei IREF (deutsch/englisch)

Photo: Tambako The Jaguar from Flickr (CC BY-ND 2.0)

Von Prof. Roland Vaubel, emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre und Politische Ökonomie an der Universität Mannheim.

President Macron has suggested that the “European Stability Mechanism” (ESM) should be renamed “European Monetary Fund” (EMF). Berlin (Schäuble, Merkel, Scholz) and the European Commission agree to this proposal. The EMF has been a French project since the time of Raymond Barre (1968) and Giscard d’Estaing (1978), and in July 2011 President Sarkozy triumphantly called the ESM “the beginning of a European Monetary Fund”.

The name “European Monetary Fund” is inspired by the International Monetary Fund. The IMF was founded in 1944 by the Roosevelt administration (Harry Dexter White) and John Maynard Keynes. It was a left-wing project from the start. In the course of its history, many free-market economists (e.g., Milton Friedman, Anna Schwartz, Alan Walters, George Schultz, William Simon and Allan Meltzer) have proposed to abolish it.

In France, the IMF tends to raise mixed feelings. On the one hand, France has provided by far the largest number of managing directors: Schweitzer, De Laroisière, Camdessus, Strauss-Kahn, Lagarde. On the other hand, since the US is the main financier, has the largest voting weight and hosts the IMF in its capital Washington, Paris views the IMF as a US-dominated rival to its political ambitions. When the ESM was established, Paris did not want to have the IMF involved in monitoring ESM programmes but the German Chancellor’s office (Jens Weidmann) insisted on IMF participation.

While the IMF is entirely financed by its member states, the ESM raises its funds in the capital market but the member states are guaranteeing the repayment. In this respect, the ESM is more like the World Bank (IBRD) than the IMF. But while the World Bank lends also to non-governmental institutions, the IMF, like the ESM, gives its credits only to the member states. According to its Articles of Agreement (V.3.b.ii), the IMF may only lend in case of balance of payments problems and reserve losses but, more recently, it has also financed budget deficits. Thus, the EMF will be a hybrid of the IMF and the World Bank.

When the Bretton Woods system of fixed but adjustable exchange rate parities finally collapsed in 1973, most economists expected that the IMF would be closed down as well. However, as Gottfried Haberler once remarked, “international organizations may change their functions and their names but they never die”. The IMF managed to survive by inventing new roles for its bureaucracy. Whenever there was an international economic crisis, the IMF tried to step in: the two oil price shocks of the 1970s, the Latin American debt crisis of the 1980s, the fall of the USSR and the East Asian crisis in the 1990s, the financial market crisis of 2008 and the sovereign debt problems in the eurozone in the 2010s. Like the IMF, the ESM fits Haberler’s rule: now that Greece and the other overindebted eurozone countries will cease to receive further loans, the ESM takes up new functions and a new name. Like the IMF, it is to start monitoring compliance with policy conditions attached to the loans and the sustainability of government debt. Together with the Commission, it is to control budget deficits under the Stability and Growth Pact. Finally, it will become the “backstop” to the Single Resolution Fund (SRF) financing the restructuring of banks.

What other lessons can we draw from the history of the IMF?

1. IMF credits have increased enormously relative to the borrowers’ capital subscriptions (their quotas). Initially, credits were limited to 125 per cent of quota. By 2002 Brazil received a credit line seven times, finally nine times, its quota. For Mexico in 2011 it was 15 times, for Ireland 23 times and for Greece 32 times its quota. In the same way, the EMF’s credit line to the SRF, which the Commission has provisionally fixed at EUR 60 billion, is merely a beginning. The total size of the ESM/EMF is EUR 500 billion.

2. Up to 1987 most IMF credits were for one year. Now most of them are for several, usually five, years. The ESM started with long term credits. Now it wants to give also more short-term loans, and Chancellor Merkel supports this idea. Thus, both monetary funds, IMF and ESM, have tried to extend maturities over the whole range of the spectrum to maximize their room of manoeuvre.

3. Initially, the IMF did not have the right to impose and monitor policy conditions. The staff gained this power in the 1950s. Similarly, the ESM is now claiming the competency to monitor compliance with its conditions.

4. The IMF has not been an effective enforcer of compliance. From 1991 to 2005, for example, it cancelled 41 programmes on grounds of noncompliance but in 29 of these cases it granted a new programme within one year (Urbaczka, Vaubel 2012). According to Fails and Woo (2015), the probability of signing an agreement with the IMF is significantly larger if the country has been under an IMF programme in the previous year. There are two reasons why the IMF does not withdraw when borrowers ignore its policy conditions. First, the IMF finances its expenses by earning an interest margin on its lending. It must lend in order to be able to exist, and the borrowing governments know it. Thus, the number of policy conditions does not significantly affect monetary expansion, budget deficits and government spending (Dreher, Vaubel 2004). Second, the financiers of the IMF will not increase their subscriptions unless the fund is close to exhausting its lending potential. This is why the IMF significantly accelerates the growth of its lending when the date of the next quota review approaches (Vaubel 1996). For the same reasons, the EMF will not be an effective enforcer either. Compliance with its policy conditions ought to be monitored by some other institution(s) as it has been in the past.

5. The IMF has 189 members but only some of them receive IMF credits. As the Meltzer Commission of the US House of Representatives showed in 2000, the IMF is an almost continuous provider of aid to a relatively small group of countries. In the fifty years from 1949 to 1999, for example, twenty countries were indebted to the IMF in at least thirty years and sixty-six countries in at least twenty years since first use.

6. Governments get used to borrowing. The larger the credit, the shorter is the time up to the next agreement (Evrensel, Kim 2006). Moreover, the next time the economy is in significantly worse shape (Evrensel 2000). This is evidence of moral hazard. To test for moral hazard more directly Axel Dreher and I (2004) have regressed the budget deficit (as a share of GDP) and the rate of monetary expansion on the country’s ratio of IMF credit to quota, i.e., on the extent to which the government has exhausted its borrowing potential with the IMF. For both policy variables the effect is significantly negative: as the government approaches its borrowing limit with the IMF, it starts to correct its negligent policies. Moral hazard under the European Monetary Fund will be worse for two reasons. First, there is no limit on a country’s borrowing potential except the total size of the fund. Second, the EMF will be a more generous provider of subsidized credit to eurozone governments than the IMF because the government of a eurozone country has more influence on the EMF than on the IMF.

7. Governments borrow significantly more from the IMF immediately before and after elections (Dreher, Vaubel 2004). Before the election, borrowing may serve to finance government expenditure or sterilized foreign exchange interventions. After the election, IMF credit is part of the programme to correct for the pre-election excesses. It would be surprising if the EMF did not contribute to political business cycles.

8. The main restraint on IMF quota increases has been the US, especially Republican presidents like Ronald Reagan and the two Bushes as well as Republican House majorities. As the main financial contributor, the US has the strongest incentive to monitor IMF performance. More generally, the US financing share under Republican presidents has a significantly negative effect on staff growth in international organizations (Vaubel, Dreher, Soylu 2007). In the European Monetary Fund, Germany is the main financial contributor. Will Germany be able to keep the EMF in check? Will German restraint be resented?

To sum up, there are strong reasons to expect that the incentive problems which have beset the IMF will be magnified in the case of the EMF. The costs and risks have to be borne primarily by the German taxpayer.

Photo: Pete Linforth from Wikimedia Commons (CC 0)

Von Ralph Bärligea, Bankenberater, Hochschuldozent und Gesellschafter eines IT-Start-ups, und Binjamin Sancar, Managmentberater.

Handelt es sich um ein vorübergehendes Phänomen? Bleibt das Ganze ein Nischenprodukt? Oder wird das Ganze zum Massenphänomen und bringt ein ganz großes Rad zum Rollen? Wie hängen Kryptos und Blockchain dabei miteinander zusammen?

Zu diesen Fragestellungen haben wir als Autorenteam einen gemeinsamen Buchbeitrag im Springer Gabler Verlag veröffentlicht. Die Autoren dieses Teams haben darüber hinaus auch weitere Einzelbeiträge publiziert. Auf den Ausführungen unseres Teams baue ich meine Einschätzungen auf.

These 1: Die Blockchain-Technologie baut auf einem uralten ökonomischen Prinzip auf: Dem öffentlichen Statement

Zunächst geht es einmal darum, zu verstehen, dass eine Technologie nur dann genutzt wird, wenn sie den Nutzern einen ökonomischen Vorteil bringt. Aus ökonomischer Perspektive baut die Blockchain auf einem uralten ökonomischen Prinzip auf – dem öffentlichen Statement.

Alles in der Blockchain ist für sämtliche Nutzer in kontrollierter Weise transparent und nachvollziehbar. Wird dort ein Vertag geschlossen oder eine Überweisung getätigt, so wissen das praktisch alle. Damit ist es wie in Stein gemeißelt. Das schafft Vertrauen und Rechtsicherheit, wovon alle Nutzer profitieren. Schon Eheschließungen oder demokratische Abstimmungen in der Frühzeit selbst vor Nutzung der Schrift, fanden aus diesem Grund öffentlich statt. Die Blockchain überträgt dieses Prinzip ins Internet 4.0 auf eine globale Ebene und ermöglicht so eine flächendeckendere und effizientere Nutzung des Prinzips des öffentlichen Statements. Unser Mitautor Dr. Robert Bosch hat hierzu einen vortrefflichen Artikel in Der Welt veröffentlicht.

These 2: Kryptowährungen sind ein logischer Bestandteil von Blockchain und Industrie 4.0 und damit untrennbar mit der Digitalisierung verbunden

Viel verbreitet ist die Einschätzung, dass Blockchain eine gute Sache sei, Kryptowährungen sich hingegen jedoch nicht durchsetzen werden. Diese Einschätzung wird meist nicht näher begründet, jedoch scheinen ihre Vertreter sich dadurch einen moderaten Anstrich geben zu wollen: Nach dem Motto, wir legen uns nicht mit dem geldpolitischen Establishment an.

Unser Mitautor Ralph Bärligea hat in einem Beitrag für die Initiative neue soziale Marktwirtschaft des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall gezeigt, dass Kryptowährungen und Blockchain so gut wie untrennbar miteinander verbunden sind. Denn, wo immer die Blockchain eingesetzt wird, um irgendwelche Verträge bzw. Smart Contracts einzugehen, aber dazugehörige Zahlungsfunktionen nicht zugleich auch über die Blockchain abgewickelt werden, sondern über klassische IT-Systeme, findet ein Medienbruch statt. Dieser Medienbruch wirkt sich wie ein Bremsklotz auf die Blockchain aus und konterkariert deren ökonomische Vorteile hinsichtlich Effizienz und Effektivität. Es macht darum kaum Sinn auf die Zahlungsfunktion in der Blockchain und damit auf Kryptowährungen zu verzichten.

Das war selbst ein Punkt, den Jochen Metzger, Leiter Zahlungsverkehr und Abwicklungsgeschäft der Deutschen Bundesbank, in einer Podiumsdiskussion am 22. März 2018 in Limburg mit meinem Kollegen Ralph Bärligea vollends bestätigte. Natürlich ist dabei vollkommen offen, ob es sich um eine private oder staatlich emittierte Kryptowährung handeln wird. Klar ist, dass Kryptowährungen Vorteile hinsichtlich der Erfüllung der Geldfunktion bringen und staatliche wie private Akteure Kryptowährungen nutzen müssen, um im Geldwettbewerb zu reüssieren. Auch Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank bestätigte, dass eine staatliche Kryptowährung denkbar sei, sobald die Zeit dafür reif ist.

These 3: Staaten und Regulatorik werden Blockchain und Kryptowährungen nutzen und nicht verbieten: Blockchain als Fundament für Transparenz und Regeltreue

In unserem gemeinsamen Buchbeitrag haben wir der staatlichen Sicht auf Kryptowährungen ein eigenes Kapitel gewidmet. Tatsache ist, dass in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzaufsicht (BaFin) Kryptowährungen bereits hinsichtlich ihrer Zahlungs- und Recheneinheitsfunktion offiziell anerkennt. Die europäische Bankenaufsicht EBA sieht sogar Vorteile von Kryptowährungen gegenüber staatlichen Währungen hinsichtlich günstiger Transaktionskosten, die vor allem im internationalen Zahlungsverkehr zum tragen kommen. Auch Jochen Metzger von der Deutschen Bundesbank hat in seiner Podiumsdiskussion in Limburg die Vorteile von Kryptowährungen im internationalen Zahlungsverkehr hervorgehoben. Lediglich im Zahlungsverkehr innerhalb einer einzigen oder im Inland sah er klassische IT-Systeme zur Zahlungsabwicklung noch immer im Vorteil.

Viele Zeitgenossen unterliegen der Einschätzung, dass Kryptowährungen und Staat natürliche Feinde wären. Davon kann jedoch keine Rede sein. Einerseits lassen sich Kryptowährungen ähnlich wie Sprache oder Gedanken aufgrund ihrer Dezentralität kaum oder gar nicht verbieten, und mit einem Feind, den man nicht besiegen kann, verbündet man sich. Andererseits bieten Kryptowährungen für den Staat und das Gemeinwesen handfeste Vorteile, denn Regeltreue und Rechtsdurchsetzung lassen sich darüber technisch garantieren (Compliance by Design). Beispielsweise ließe sich eine Kryptowährung gestalten, bei der die Umsatzsteuer automatisch ans Finanzamt abgeführt wird und die Steuererklärung automatisch vor befüllt wird. Letztendlich ersparen sich so auch die Mitglieder eines Gemeinwesens einen enormen bürokratischen Aufwand. Auch private Kryptowährungen innerhalb eines staatlichen Hoheitsgebietes zu verbieten muss gegen das Interesse jeder staatlichen Autorität sein. Denn so würden Börsen- und Marktplätze, welche mit diesen Kryptowährungen verbunden sind, abwandern und als Besteuerungsgrundlage verloren gehen. Der entsprechende Staat würde überdies den Überblick über die dort abgewickelten Transaktionen verlieren. Steuer- und Datenflucht sind aus staatlicher Sicht unbedingt zu vermeiden, da sie Staaten die Existenzgrundlage entziehen. Verbote von Kryptowährungen werden darum eher die Ausnahme als die Regel sein.

These 4: Kryptowährungen haben in der Nutzerwahrnehmung Gold als Wettbewerber von staatlichen Währungen überholt

In unserem gemeinsamen Buchbeitrag haben wir die Geldfunktionen hinsichtlich Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit von Kryptowährungen empirisch untersucht und mit denen von staatlichen Währungen und Gold verglichen. Dabei haben wir sämtliche Wirtschaftssektoren betrachtet. Für die Verbraucher haben wir eine repräsentative deutschlandweite Umfrage durchgeführt. Für den Banken- und Unternehmenssektor haben wir eine Expertenbefragung durchgeführt. Beim Staatssektor konnten wir uns auf öffentliche Stellungnahmen der staatlichen Autoritäten stützen.

Wenn man alle Sektoren gleich gewichtet und den Wirtschaftskreislauf ganzheitlich betrachtet, war das erstaunliche Ergebnis, dass in dieser Gesamtschau Kryptowährungen hinsichtlich der Zahlungsmittel- und Recheneinheitsfunktion bereits als vorteilhafter gesehen werden als das altbewährte Gold. Daraus lässt sich schließen, dass sich die Wettbewerbsintensität und damit auch das Innovationspotential im Geldsektor durch Krytpowährungen eindeutig erhöht hat. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über unser Gesamtergebnis.

(+ sehr mäßig, ++ mäßig, +++ gut, ++++ sehr gut)

Unsere Betrachtung bezieht sich auf das Jahr 2017. Kryptowährungen konnten vor allem bei der Wertaufbewahrungsfunktion aufgrund ihrer starken Wertschwankungen weniger gut punkten. Mit zunehmender Verbreitung von Kryptowährungen ist jedoch von einer Normalisierung von Angebot und Nachfrage auszugehen und damit auch von abnehmenden Preisschwankungen. Außerdem haben sich Kryptowährungen ausgehend von ihrem Urvater Bitcoin technisch längst so weiterentwickelt, dass man sämtliche Kapazitäts- und Skalierungsprobleme als quasi gelöst betrachten kann. Das heißt auch die Zahlungsmittel- und Recheneinheitsfunktion sollte in Zukunft noch besser als bisher durch Kryptowährungen erfüllt werden können.

Der vorhin behandelte Aspekt der Verzahnung von digitalen Marktplätzen und Produktion zusammen mit Kryptowährungen in einer Industrie 4.0 und die sich daraus ergebenden enormen Vorteile wurden in unserem Buchbeitrag überdies noch gar nicht behandelt, da wir uns bewusst auf die klassischen Geldfunktionen fokussierten.

These 5: Der Hype-Cycle von Blockchain und Kryptowährungen steht erst am Anfang und leitet eine neue Stufe der Digitalisierung ein

Insgesamt kann man darum davon ausgehen, dass Kryptowährungen auf einem aufsteigenden Ast irgendwann auch die staatlichen Währungen in ihrer derzeitigen Form überholen werden. Natürlich ist dabei nicht ausgeschlossen, dass staatliche Währungen in Zukunft auf der Blockchain-Technologie basieren oder dass auch Gold oder sonstige Assets mithilfe der Blockchain-Technologie zu mehr Liquidität und damit einer besseren Geldeigenschaft verholfen werden kann. Das betonen wir auch in unserem Buchbeitrag. Die genaue Ausgestaltung und Form unserer zukünftigen Währung ist als Ergebnis des Wettbewerbsprozesses naturgemäß offen. Für uns aber scheint fest zu stehen, dass die Währung der Zukunft auf Blockchain-Technologie basieren wird.

Auch wird sich der Einsatz der Blockchain-Technologie ohne und mit Verbindung zu Kryptowährungen aufgrund seiner fundamentalen ökonomischen Vorteile als Informationstechnologie zum Massenphänomen entwickeln.

Schlussendlich handelt es sich bei der Blockchain-Technologie und Kryptowährungen weder ökonomisch noch technisch um neue Prinzipien. Schnelle und dokumentenfeste Informationsübertragung waren schon immer von Vorteil und schon immer gab es dafür technische Methoden. Die Innovation der Blockchain-Technologie besteht aus einer neuen Kombination bereits seit langem bestehender Technologien und ökonomischer Prinzipien, die bewirkt, dass Informationen noch schneller und sicherer geteilt werden können.

Darum halten wir die Blockchain-Technologie für einen langfristigen Megatrend, der ein ganz großes Rad mit Wirkung auf sämtliche Lebensbereiche zum Rollen bringt. Verglichen mit dem Internet, das 1979 in seiner ersten Form das Tageslicht erblickte und erst um die Jahrtausendwende zum erkennbaren Durchbruch kam, stehen wir mit der noch nicht einmal 10 Jahre alten Blockchain-Technologie erst am Anfang einer ganz großen Entwicklung.

Dieser Artikel beruht auf einem Vortrag, den Ralph Bärligea und Binjamin Sancar für eine Präsentation (Folien hier aufrufbar) auf einer Konferenz zu Blockchain und Kryptowährungen in Mallorca (23.-25. Mai 2018) gehalten haben.

Von Dr. Alexander Fink, Universität Leipzig, Senior Fellow des IREF – Institute for Research in Economic and Fiscal Issues und Benjamin Buchwald, Research Fellow bei IREF, Student von Public Economics an der Leuphana Universität Lüneburg.

Der Economic Freedom of the World Index misst die wirtschaftliche Freiheit rund um den Globus. Im deutschsprachigen Raum fällt auf, dass sich alle drei Staaten auf hohem Niveau bewegen. Und doch gibt es signifikante Unterschiede. Vor allem bei Staatsgröße und Regulierung lässt die Schweiz Deutschland und Österreich deutlich hinter sich.

Unter den drei Ländern der DACH-Region ist die Schweiz das mit Abstand reichste. Bereinigt um Preisunterschiede ist das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in der Schweiz über 25 % höher als in Deutschland und Österreich. Schweizer sind nicht nur reicher, sie sind auch wirtschaftlich freier. Die wirtschaftliche Freiheit gemessen im Rahmen des Economic Freedom of the World Index nahm über die vergangenen 45 Jahre zwar in allen DACH-Ländern zu, war aber in der Schweiz stets am meisten ausgeprägt. Stärker als ihre Nachbarn profitieren die Schweizer davon, innerhalb eines verlässlichen Rechtsrahmens frei zu entscheiden, was sie produzieren und konsumieren, mit wem sie tauschen und welche Verträge sie abschließen. Insbesondere hinsichtlich zurückhaltender Staats- und Regulierungstätigkeit dient die Schweiz als Vorbild für ihre deutschsprachigen Nachbarstaaten.

Economic Freedom of the World

Wirtschaftliche Freiheit bezeichnet die Fähigkeit der Mitglieder einer Gesellschaft, ökonomischen Handlungen nachzugehen und Waren sowie Dienstleistungen ohne äußere Zwänge zu produzieren, zu handeln und zu verbrauchen. Wirtschaftliche Freiheit liegt vor, wenn wirtschaftliche Aktivität vornehmlich koordiniert wird durch individuelle Entscheidungen und freiwillige Transaktionen auf offenen Märkten auf der Grundlage klar definierter und verlässlich durchgesetzter Eigentumsrechte.

Am häufigsten wird in wissenschaftlichen Arbeiten der Economic Freedom of the World Index als Maßstab für wirtschaftliche Freiheit verwandt. Er basiert auf einer jährlichen Umfrage, die weltweit durch mehr als 70 Think Tanks durchgeführt und vom kanadischen Fraser Institute federführend veröffentlicht wird.

Ranking und Komponenten wirtschaftlicher Freiheit

Der Economic Freedom of the World Index bewertet, wie nah Institutionen und politische Maßnahmen eines Landes dem Ideal eines Staates kommen, der sich auf die Bereitstellung einiger weniger öffentlicher Güter beschränkt, Eigentumsrechte sichert und so wirtschaftliche Freiheit garantiert.

Auf Grundlage der gesammelten Daten werden die bewerteten Länder gerankt. Hohe Punktzahlen signalisieren einen hohen Grad an wirtschaftlicher Freiheit. Im jüngsten Untersuchungsjahr 2014 belegte Hongkong mit einer Punktzahl von 9,03 vor Singapur, Neuseeland und der Schweiz den ersten Platz. Schlusslicht war Venezuela mit 3,29 – direkt vor dem südamerikanischen Land lagen Libyen, die Republik Kongo und Argentinien.

Die Punktzahl eines Landes errechnet sich aus fünf Subkategorien: [1] Size of Government, [2] Legal System and Security of Property Rights, [3] Sound Money, [4] Freedom to Trade Internationally und [5] Regulation. Insgesamt berücksichtigt der Index 42 verschiedene Variablen, die helfen, den Grad der wirtschaftlichen Freiheit eines Untersuchungslandes einzuschätzen.

Deutschland, Österreich und die Schweiz: Wirtschaftlich freier als 1970

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz (DACH-Region) sind Daten bis 1970 verfügbar. Sie offenbaren langfristig eine positive Entwicklung: In allen drei Ländern wurde für 2014 ein höherer Grad an wirtschaftlicher Freiheit gemessen als vor 45 Jahren.

 

Zwei Befunde fallen ins Auge: Erstens, die höchsten Punktzahlen wurden in den DACH-Ländern zu Beginn der 2000er Jahre erreicht. Für die nachfolgenden Jahre sank der Grad der gemessenen wirtschaftlichen Freiheit in allen drei Ländern. Dieser Trend scheint sich jedoch in jüngerer Vergangenheit wieder umzukehren. Seit 2010 sind leicht steigende Punktzahlen zu verzeichnen. Zweitens, seit Beginn der Datenerhebung ist die Punktzahl der Schweiz immer am höchsten. Während der Abstand zu Österreich über die Zeit sank, blieb der Abstand zu Deutschland seit 1975 stabil. Österreich konnte seine relative Position folglich deutlich verbessern. Deutschland fiel innerhalb des Trios relativ zurück.

Rechtsstaatlichkeit und Schutz von Eigentumsrechten: Entwicklung ähnlich, aber bedenklich

Eine Analyse der fünf Unterkategorien des Economic Freedom of the World Index legt die Treiber der Gesamtentwicklungen offen. In der Subkategorie Legal System and Security of Property Rights ähneln sich die DACH-Länder. Hierin fallen Aspekte wie unparteiische Gerichte, Schutz von Eigentumsrechten, Integrität der Rechtsordnung, rechtliche Vollstreckung von Verträgen und die Zuverlässigkeit der Polizei. Die Kategoriepunktzahlen lagen seit den 1980er Jahren auf hohem Niveau nahe beieinander.

 

Allerdings ist in den letzten Jahren ein Rückgang zu beobachten. In Österreich wird etwa die Unabhängigkeit der Gerichte schlechter bewertet als in der Vergangenheit. Deutschland weist die niedrigsten Punktzahlen beim Schutz von Eigentumsrechten auf. Das größte Land der DACH-Region fällt in der Subkategorie Legal System and Security of Property Rights hinter seine Nachbarländer zurück, weil insbesondere die Kosten für Unternehmen aufgrund von Kriminalität steigen und die Zuverlässigkeit der Polizei schwächer eingeschätzt wird als noch vor einigen Jahren.

Geldpolitik

Stabil hohe Werte – auch im internationalen Vergleich – weisen die DACH-Länder in der Subkategorie Sound Money auf. Bewertet werden die Geldwertstabilität sowie die Freiheit, Fremdwährungskonten zu führen.

 

Unbeachtet bleiben bei dieser Betrachtung mit Fokus auf die Inflationsrate jedoch die Risiken der unkonventionellen Maßnahmen der EZB und der Schweizerischen Notenbank der vergangenen Jahre. Der Schweizer Franken mit Ruf als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten scheint dem Kriterium Sound Money unter diesen Voraussetzungen stärker zu entsprechen als der Euro.

Weniger freier Handel

Einen entscheidenden Einfluss auf das Sinken der Gesamtpunktzahlen zu Beginn der 2000er Jahre hat der deutliche Abfall der Werte in der Subkategorie Freedom to Trade Internationally. Anhand der Komponenten Zölle, Regulierungsbarrieren, Schwarzmarkt-Wechselkurse sowie Kontrolle der Bewegung von Kapital und Menschen wird eingeschätzt, wie leicht Handel zwischen Menschen im Untersuchungsland und Handelspartnern in anderen Staaten möglich ist.

 

Heute stehen dem internationalen Handel in den Ländern der DACH-Region deutlich gravierendere Barrieren entgegen als noch vor 15 Jahren. Deutsche, Österreicher und Schweizer unterliegen beim Waren- und Dienstleistungsaustausch mit ausländischen Partnern heute mehr eingrenzender Bestimmungen. Diese Entwicklung ist insbesondere auf den Ausbau nichttarifärer Handelshemmnisse und stärkere Kapitalkontrollen zurückzuführen.

Staats- und Regulierungstätigkeit: Vorbild Schweiz

Große Unterschiede zwischen der Schweiz und ihren beiden Nachbarländern gibt es in den Subkategorien Size of Government und Regulation. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der höhere Grad an gemessener wirtschaftlicher Freiheit in der Schweiz lässt sich vor allem mit dem deutlich besseren Abschneiden des Landes in diesen beiden Kategorien erklären.

Size of Government analysiert, inwieweit Staaten auf politische Prozesse setzen, um die Allokation von Ressourcen, Gütern und Dienstleistungen zu beeinflussen. Nimmt die Staatstätigkeit im Verhältnis zu den Ausgaben von Individuen, Haushalten und Unternehmen zu, nimmt der Staat stärkeren Einfluss auf die Ressourcenallokation und die wirtschaftliche Freiheit wird reduziert.

 

Obwohl die Entwicklungen in Deutschland und Österreich seit den 1990er Jahren in diesem Bereich zu begrüßen sind, hinken die beiden Länder gegenüber der Schweiz weiter deutlich hinterher. Die Abstände sind nur unwesentlich geringer geworden. Deutsche und österreichische Regierungen setzen in höherem Maße auf staatlichen Konsum, Transfers und Subventionen. Außerdem ist der höchstmögliche Grenzsteuersatz auf Einkommen höher als in der Schweiz, mit der Ausnahme zweier französischsprachiger Kantone.

Auch in der Subkategorie Regulation schneidet die Schweiz deutlich besser ab. Regulierungen werden auf dem Kredit- und dem Arbeitsmarkt sowie hinsichtlich der Einschränkungen für Unternehmen untersucht.

 

In allen drei Bereichen wird die Schweiz freier bewertet als Deutschland und Österreich. Über die Zeit hinweg hat sich dies nicht geändert. Am größten fällt der Abstand im Bereich der Arbeitsmarktregulierungen aus, insbesondere weil Abschlüsse und Kündigungen von Arbeitsverträgen in der Schweiz weniger reglementiert sind.

Wirtschaftliche Freiheit fördern

Die erneut leicht steigenden Gesamtpunktzahlen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz stimmen verhalten optimistisch. Dennoch wäre ein nachdrücklicherer Einsatz für mehr wirtschaftliche Freiheit im DACH-Raum wünschenswert – speziell in Deutschland und Österreich. Die Schweiz sollte insbesondere hinsichtlich einer zurückhaltender Staats- und Regulierungstätigkeit als Vorbild genommen werden.

Wirtschaftliche Freiheit geht mit positiv zu bewertenden gesellschaftlichen Entwicklungen einher: weniger Armut, höhere Pro-Kopf-Einkommen, höhere Lebenserwartungen sowie mehr politische und bürgerliche Freiheiten. Ein Mehr an Rechtsstaatlichkeit, Schutz von Eigentumsrechten und Freihandel sowie weniger Regulierungen, die oft regressive Wirkungen mit sich bringen, wären wünschenswert.

Zuerst erschienen bei IREF.

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Von Dr. Alexander Fink, Universität Leipzig, Senior Fellow des IREF – Institute for Research in Economic and Fiscal Issues, und Justus Lenz, Leiter Haushaltspolitik bei Die Familienunternehmer/Die Jungen Unternehmer.

Während in den Wirtschaftswissenschaften an Hochschulen klar ist, welchen Nutzen Märkte und Transaktionen grundsätzlich bringen, besteht an Schulen akuter Handlungsbedarf. Oft gibt es gar keine Lehrbücher und wenn, dann stellen sie Markttransaktionen als Nullsummen- oder gar Negativsummenspiel dar. Es wird Zeit, dass ökonomisches Grundwissen in die Schulen und die Schulbücher gelangt.

Eine grundlegende Erkenntnis der Ökonomik ist, dass die Teilnehmer beider Seiten einer Transaktion auf Märkten stets erwarten, von dieser zu profitieren – sonst würden sie nicht an ihr teilnehmen. Diese für viele offensichtliche Erkenntnis wird von den meisten Autoren in die Ökonomik einführender Lehrbücher dennoch in den ersten Kapiteln betont. Sie gehen anscheinend davon aus, dass der für beide Seiten entstehende Vorteil nicht für jedermann offensichtlich ist. Es wäre zu erwarten, dass Lehrbücher für den Schulbetrieb denen für Studienanfänger der Volkswirtschaftslehre folgen würden und den win-win Charakter von Transaktionen auf Märkten betonen. Leider neigen einige deutsche Schulbücher außerhalb des seltenen Wirtschaftsunterrichts dazu, Transaktionen auf Märkten als Nullsummenspiele mit Gewinnern und Verlierern zu skizzieren. Schulbuchautoren – gerade jene fachfremder Werke – sollten sich schlicht an den Standardeinführungstexten der Volkswirtschaftslehre für den Universitätsbetrieb orientieren, anstatt ihren anscheinend bestehenden marktkritischen Neigungen nachzugeben.

Ökonomik in deutschen Schulbüchern: Zwei Studien

Die Darstellung wirtschaftlicher Themen und Zusammenhänge in deutschen Schulbüchern wurde bereits 2010 umfassend von Justus Lenz in einer qualitativen Studie des HWWI im Auftrag des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Darstellung wirtschaftlicher Themen häufig einseitig marktkritisch bis marktskeptisch war. Dies galt besonders für Erdkunde- und Geschichtsbücher sowie etwas weniger ausgeprägt für Politik- und Sozialkundebücher. Einzig die untersuchten Bücher für den Wirtschaftsunterricht waren weitestgehend frei von marktkritischen Voreingenommenheiten. Eine aktuelle Studie des Zentrums für ökonomische Bildung der Universität Siegen im Auftrag von DIE FAMILIENUNTERNEHMER bestätigt diese Ergebnisse. Allerdings machen die Autoren eine leicht positive Entwicklung seit 2010 aus.
Besonders relevant ist die Präsentation von Märkten in Materialien angrenzender Disziplinen, da die meisten Kinder und Jugendlichen während ihrer Schulzeit bedauerlicherweise keinen eigenständigen Wirtschaftsunterricht haben, dessen Lehrbücher neutraler sind. Nur in Baden-Württemberg gibt es seit dem Schuljahr 2016/2017 ein eigenständiges Pflichtfach Wirtschaft. In NRW soll ein eigenständiges Schulfach Wirtschaft an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden. In einigen anderen Bundesländern gibt es Mischfächer, wie Politik und Wirtschaft in Niedersachen oder Wirtschaft und Recht in Bayern.

 

Positivsummenspiel Marktwirtschaft

Zentrale – und für einige Menschen kontraintuitive – Erkenntnis der Ökonomik ist, dass Interaktionen auf Märkten am besten als Positivsummenspiele zu verstehen sind: Sowohl die Verkäufer von Waren und Dienstleistungen als auch die Käufer profitieren von ihren Transaktionen. Reich wird in einer offenen Marktwirtschaft, wer anderen besonders erfolgreich attraktive Angebote macht. Man denke nur an Fußballspieler, Musiker oder jüngst die erfolgreichsten unter den Internetunternehmern. Sie schaffen mit ihrer Arbeit Güter und Dienstleistungen, die andere für so wertvoll erachten, dass sie bereit sind, dafür zu bezahlen und so zum Einkommen der Anbieter beitragen.
Es handelt sich bei Transaktionen auf Märkten nicht um Nullsummenspiele, bei denen einer das gewinnt, was sein Gegenüber verliert. Es gewinnen beide Parteien.

Märkte als Nullsummenspiele in Schulbüchern

Es ist bedenklich, dass deutsche Schulbücher die bei Nicht-Ökonomen relativ weit verbreitete Wahrnehmung von Märkten als Arenen für Nullsummenspiele bekräftigen, anstatt über die kontraintuitive Beschaffenheit von Märkten als Orte für Positivsummenspiele aufzuklären.
So dominieren in den untersuchten Erdkunde- und Geographiebüchern beim Thema Globalisierung und Freihandel marktskeptische Perspektiven. Es werden eher die Risiken der Globalisierung als die Chancen betont. Wiederholt finden sich Passagen, in denen der Eindruck erweckt wird, Globalisierung und Marktwirtschaft würden vor allem viele Verlierer produzieren: „Der Großteil der Bevölkerung hat aber keinen Vorteil vom Welthandel.“ In einem anderen Werk wird suggeriert, grenzüberschreitender Handel und Globalisierung kämen einem Negativsummenspiel gleich, das uns in Summe ärmer macht: „Dem alten Standort werden Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft und Steuern entzogen. Problematisch am neuen Standort ist häufig die Missachtung von Umwelt- oder Arbeitsschutz für die Arbeitskräfte.“
Das Verständnis von Handel als Positivsummenspiel, von dem beide Seiten profitieren, wird den Schülern hingegen häufig nicht nähergebracht.

Positive Tendenz und Vorbild Schweiz

Die Studie von 2010 vergleicht die Lage in Deutschland mit der in der Schweiz. Dort erfolgt in Schulbüchern eine vorurteilsfreiere Diskussion von Marktphänomenen als in Deutschland. In den letzten Jahren scheint sich jedoch in Deutschland etwas getan zu haben. Die jüngste Schulbuchstudie kommt zum Ergebnis, dass die Darstellung wirtschaftlicher Sachverhalte in den letzten Jahren zumindest etwas ausgewogener wurde. So finden sich in Erdkunde- und Geographiebüchern sowie in Geschichtsbüchern stärkere Bemühungen zu fachkundig austarierten Darstellungen ökonomischer Phänomene. Auch wenn das Gesamtergebnis immer noch unbefriedigend ist, so gibt dies in Kombination mit Diskussionen über die Einführung eines eigenständigen Faches Wirtschaft in weiteren Bundesländern doch Anlass zur Hoffnung.

Zuerst erschienen bei IREF.