Photo: National Cancer Institute from Unsplash (CC 0)

Von Frederik C. Roeder, Gesundheitsökonom und Geschäftsführer des Consumer Choice Centers.

Die Menschheit steht derzeit vor einer großen Herausforderung durch das Coronavirus. Die Grenzen werden geschlossen, Flugzeuge am Boden gehalten und Fabriken geschlossen. Gleichzeitig arbeiten Wissenschaftler und Fachleute des Gesundheitswesens an Tests, Behandlungen und Impfstoffen, um bald eine medizinische Reaktion zu ermöglichen. Die Bewältigung des Coronavirus könnte einer der größten Prüfungen sein, denen die Menschen in den letzten Jahrzehnten ausgesetzt waren, aber es wird nicht das letzte Virus sein, das wir besiegen müssen. Es ist an der Zeit, Biotechnologie einen höheren Stellenwert einzuräumen und mehr Forschung und Anwendungen von Methoden zur genetischen Veränderung zuzulassen.

Für den Laien ist dieses ganze Technik-Geschwätz über Mutagenese und Gentechnik schwer verständlich, und es hat mich persönlich eine gute Menge an Lektüre gekostet, um zu begreifen, welche verschiedenen Methoden es gibt und wie diese unsere Lebensqualität massiv verbessern können.

Betrachten wir zunächst die vier häufigsten Methoden, um die Gene einer Pflanze oder eines Tieres zu verändern:

Dr. Xaver – Mutationen an sich kommen in der Natur einfach regelmäßig vor

So ist aus einigen Aminosäuren eine Milliarde Jahre später zum Menschen geworden. Biologische Evolution kann nur dank Mutationen stattfinden. Mutationen in der Natur geschehen zufällig oder werden durch exogene Faktoren wie Strahlung (z.B. Sonne) verursacht. Für die Comic-Leser unter uns haben X-Männer Mutationen, die (in den meisten Fällen) zufällig auftreten.

The Hulk – Mutation durch Exposition (Mutagene)

Eine der häufigsten Arten, Samen zu manipulieren, ist, sie Strahlung auszusetzen und auf positive Mutationen zu hoffen (z.B. höhere Schädlingsresistenz). Diese Methode ist seit den 1950er Jahren sehr verbreitet und ein sehr unpräziser Schrotflintenansatz, der darauf abzielt, Pflanzen widerstandsfähiger oder schmackhafter zu machen. Sie erfordert Tausende von Versuchen, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Diese Methode ist weit verbreitet und in fast jedem Land legal. In unserem Comic-Universum ist der Hulk ein gutes Beispiel für durch Strahlung verursachte Mutationen.

Spiderman – Genetisch veränderte Organismen (transgene GVOs)

Dieses oft gefürchtete Verfahren zur Herstellung von GVO basiert auf der Einfügung der Gene einer Art in die Gene einer anderen Spezies. In den meisten Fällen wurde den GVO-Kulturen ein Protein einer anderen Pflanze oder eines Bakteriums injiziert, das die Kulturpflanze schneller wachsen lässt oder sie widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten macht. Andere Beispiele sind die Kreuzung von Lachs mit Tilapia-Fischen, die den Lachs doppelt so schnell wachsen lässt. Spiderman, der von einer Spinne gebissen wird und plötzlich in der Lage ist, auf Wolkenkratzer zu klettern, weil er eine verbesserte spinnenmenschliche (transgene) DNA besitzt, ist ein Beispiel aus dem Comicverse.

GATTACA/Der Zorn des Khan – Gen-Editierung (die Schere)

Die neueste und präziseste Art, die Gene eines Organismus zu verändern, ist das sogenannte Gene Editing. Im Gegensatz zu den traditionellen GVO werden dabei keine Gene aus einem anderen Organismus implantiert, sondern durch eine präzise Methode, bei der bestimmte Gene entweder deaktiviert oder hinzugefügt werden, innerhalb des Organismus verändert.

Dies kann sogar bei erwachsenen, lebenden Menschen geschehen, was für alle, die an genetischen Störungen leiden, ein Segen ist. Wir sind in der Lage, Gene in lebenden Organismen zu „reparieren“. Die Bearbeitung von Genen ist auch tausendmal genauer als das bloße Beschießen von Samen mit Strahlung. Ein angewandtes Beispiel ist die Deaktivierung des Gens, das für die Erzeugung von Gluten im Weizen verantwortlich ist: Das Ergebnis ist glutenfreier Weizen. Es gibt mehrere Methoden, die dies erreichen. Eine der populärsten ist heutzutage das sogenannte CRISPR Cas-9. Diese „Scheren“ sind normalerweise umprogrammierte Bakterien, die die neue Geninformation übertragen oder defekte oder unerwünschte Gene deaktivieren. Viele Science-Fiction-Romane und -Filme zeigen eine Zukunft, in der wir Gendefekte deaktivieren und Menschen von schrecklichen Krankheiten heilen können. Einige Beispiele für Geschichten, in denen CRISPR-ähnliche Techniken eingesetzt wurden, sind Filme wie GATTACA, Star Treks Zorn des Khan oder die Expanse-Serie, in der die Genbearbeitung eine entscheidende Rolle beim Anbau von Nutzpflanzen im Weltraum spielt.

Was hat das mit dem Coronavirus zu tun?

Synthetische Biologen haben begonnen, mit CRISPR Teile des Coronavirus synthetisch herzustellen, um einen Impfstoff gegen diese Lungenkrankheit auf den Markt zu bringen und ihn sehr schnell in Massenproduktion herstellen zu können. In Kombination mit Computersimulationen und künstlicher Intelligenz wird das beste Design für einen solchen Impfstoff auf einem Computer berechnet und dann synthetisch hergestellt. Dadurch wird die Impfstoffentwicklung beschleunigt und von Jahren auf nur noch Monate verkürzt. Aufsichtsbehörden und Zulassungsbehörden haben gezeigt, dass sie in Krisenzeiten auch neue Test- und Impfverfahren, die normalerweise jahrelanges Hin und Her mit Behörden wie der FDA erfordern, schnell genehmigen können?

CRISPR ermöglicht auch die ‚Suche‘ nach bestimmten Genen, auch Genen eines Virus. Dies half den Forschern, schnelle und einfache Testverfahren zu entwickeln, um Patienten auf Corona zu testen.

Auf lange Sicht könnte die Genbearbeitung es uns ermöglichen, die Immunität des Menschen zu erhöhen, indem wir unsere Gene verändern und uns resistenter gegen Viren und Bakterien machen.

Dies wird nicht die letzte Krise sein

Während das Coronavirus unsere moderne Gesellschaft wirklich auf die Probe zu stellen scheint, müssen wir uns auch bewusst sein, dass dies nicht der letzte Erreger sein wird, der das Potenzial hat, Millionen von Menschen zu töten. Wenn wir Pech haben, könnte die Corona schnell mutieren und schwerer zu bekämpfen sein. Der nächste gefährliche Virus, Pilz oder Bakterium steht wahrscheinlich schon vor der Tür. Deshalb müssen wir die neuesten Erfindungen der Biotechnologie annehmen und dürfen die Genforschung und die Umsetzung ihrer Ergebnisse nicht blockieren.

Im Moment stehen zwischen lebensrettenden Innovationen wie CRISPR und Patienten auf der ganzen Welt eine Menge Bürokratie und sogar völlige Verbote. Wir müssen unsere Feindseligkeit gegenüber der Gentechnik überdenken und uns ihr stellen. Um ehrlich zu sein: Wir sind in einem ständigen Kampf gegen neu auftretende Krankheiten und müssen in der Lage sein, auf dem neuesten Stand der Technik menschliche Antworten darauf zu geben.

Photo: thaths from Flickr (CC BY-NC 2.0)

Die Corona-Krise dient Globalisierungskritikern als Steilvorlage für Renationalisierungsträume. Doch die Globalisierung ist nicht das Problem, sondern die beste Lösung, die wir haben.

Auf der Suche nach dem Schuldigen

Jede große Krise braucht einen Schuldigen. Schuld an der Finanzkrise von 2008 seien die raffgierigen Investmentbanker gewesen, Schuld an der darauffolgenden Eurokrise die faulen Griechen. Schuld an der aktuellen Corona-Pandemie und ihren ökonomischen Auswirkungen ist für viele die Globalisierung. Die Globalisierung, mit ihren Verflechtungen und grenzüberschreitendem Verkehr von Gütern und Personen, würde das Covid-19 Virus nicht nur viel schneller verbreiten, sondern auch zu Versorgungsengpässen und ökonomischen Kettenreaktionen führen. Der Protektionismus feiert derweil sein großes Comeback und nicht nur der strauchelnde US-Präsident würde die Wirtschaft lieber heute als morgen renationalisieren. Die jüngste US-Einreisesperre für Bürger aus dem Schengenraum ist dabei nur das absurdeste Beispiel dafür, wie Protektionisten und Nationalisten versuchen, die Corona-Krise für ihre Zwecke zu nutzen.

Wir sind nicht im Venedig des 14. Jahrhunderts – Gott sei Dank

Die meisten Menschen, die heute in der westlichen Welt leben, waren nie mit einer großen Influenza-Pandemie konfrontiert. Die letzten großen Pandemien waren die Spanische Grippe, der zwischen 1918 und 1920 zwischen 20 und 50 Millionen Menschen zum Opfer fielen, und die asiatische und die Hongkong-Grippe in den 50er Jahren mit jeweils ca. 1 bis 4 Millionen Toten. Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS, Zika und Ebola verschonten derweil die meisten Industrienationen. Während die spanische Grippe wohl zuallererst durch das Militär verbreitet wurde, sind heutzutage Flugverkehr und Handel die Inkubatoren für eine globale Verbreitung von Viren. Menschen reisen und handeln so lange es Zivilisation gibt. Je weniger feste Grenzen à la Korea es gibt, desto größer ist das Pandemie-Risiko. Damit werden wir uns wohl abfinden müssen.

Und das lohnt sich. Denn anders als im 14. Jahrhundert zur Zeit des „Schwarzen Todes“ stehen wir nicht mehr isoliert und hilflos da, wenn eine neue Krankheit ausbricht. Der Globalisierung sei Dank:

Das Wunder der globalisierten Wissens- und Informationsgesellschaft

Die Globalisierung hat den Zugang zu Informationen auf beispiellose Art und Weise vereinfacht. Wissenschaftler können überall auf der Welt quasi in Echtzeit auf Daten ihrer Kollegen zugreifen und Mediziner können sich über erfolgreiche Behandlungsmethoden austauschen. Der globale Informationsaustausch hat dazu geführt, dass wir in Europa bereits bevor hier die ersten Fälle auftraten viel über Wirkweise, Verlauf und Ausbreitung des Virus wussten. Akademische Journale entfernen dafür aktuell für relevante Forschungsarbeiten ihre Paywalls und auf sogenannten Preprint-Servern können die neusten Manuskripte direkt geteilt werden. Das geschieht natürlich nicht einfach so, sondern bedarf Vertrauens und persönlicher Bekanntschaften. Die Entwicklung hin zu einer leistungsfähigen, digitalen und globalen Wissenschaft war nur möglich durch die zahllosen Austausch- und Gastwissenschaftler-Programme, internationalen Konferenzen und Universitäts-Kooperationen. All das wäre ohne eine offene und günstige Reiseinfrastruktur nicht denkbar.

Eine globale Produktion steht niemals still

Sicher, eine globalisierte Produktion ist fragil und ein kleines Sandkorn im Getriebe kann globale Lieferketten ins Wanken bringen. Die Reaktion der Börsen und die teils düsteren Erwartungen der Wirtschaft verdeutlichen dies. Wie aber sähe eine Pandemie in einer protektionistischen Welt aus? Während Europa vermutlich erst noch auf den Höhepunkt der Infektionszahlen zusteuert, dürfen erste Firmen im chinesischen Wuhan (wo alles begann) schon wieder öffnen und produzieren. Sollte das öffentliche Leben in Deutschland zu einem ähnlichen Stillstand kommen wie in China, wissen wir, dass in anderen Teilen der Welt bereits wieder produziert wird. Eine globalisierte Produktion bedeutet eine höhere Abhängigkeit von Partnern, dafür aber auch eine geringere Abhängigkeit von der Region. Das kann in Zeiten regionaler Krisen ein Faustpfand sein.

Das größte Gesundheitsrisiko ist Armut

Der wichtigste Grund an der Globalisierung festzuhalten ist, dass Armut wie kein anderer Faktor gesundheitsgefährdend ist. Die Globalisierung hat viele Teile der Welt auf einen Entwicklungsstand gehoben, der der gesamten Bevölkerung eine hervorragende medizinische Versorgung ermöglicht. Für niemanden in Deutschland hängt es heute vom Einkommen ab, wie die ärztliche Behandlung im Fall einer Infektion aussieht. Wir können es uns leisten, Mitarbeiter ins Home Office oder in die Kurzarbeit zu schicken. Jeder hat Zugang zu fließendem Wasser, zu Seife und zu Lebensmitteln – selbst wenn das öffentliche Leben für einige Wochen stillstehen sollte.

Die Gegner der Globalisierung behaupten, nur die Eliten würden von ihr profitieren. Der Umgang mit Covid-19 zeigt, wie falsch dies ist. Sicher gibt es sichtbare Ungleichheiten aber der durch die Globalisierung erreichte Fortschritt ermöglicht allen ein besseres, sichereres und längeres Leben.

Die globalisierte Weltgemeinschaft kann nun zeigen was sie kann. Wenn man sie lässt.

Die Corona-Pandemie wird uns einiges kosten und jeder Tote ist eine individuelle Tragödie. Doch Epidemien gab es schon immer, wir waren nur noch nie so gut gerüstet wie heute. Die globalisierte Weltgemeinschaft kann nun zeigen was sie kann: durch internationale Kooperation in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Hoffen wir, dass die Trumps dieser Welt sie nicht daran hindern.

Photo: Boris Thaser from Flickr (CC BY 2.0)

Von Dr. Alexander Fink, Universität Leipzig, Senior Fellow des IREF – Institute for Research in Economic and Fiscal Issues, und Kalle Kappner, Promotionsstudent an der Humboldt-Universität zu Berlin, Research Fellow bei IREF, Fackelträger von Prometheus.

Die optimistische Selbsteinschätzung der Deutschen steht in einem bemerkenswerten Widerspruch zur Einschätzung der momentanen und zukünftigen Lebenszufriedenheit ihrer Mitbürger. Der Publizist Johannes Gross bemerkte dazu schon in den 70ern: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein übel gelauntes Land, aber ihre Einwohner sind glücklich und zufrieden.“

Regelmäßig werden die Deutschen in verschiedenen repräsentativen Umfragen nach ihrer Lebenszufriedenheit und ihrem Glücksempfinden gefragt. Im Detail weichen die Methoden und Befunde dieser Umfragen voneinander ab. Doch ein Trend lässt sich in allen Untersuchungen erkennen: Spätestens seit ca. 2005 sind die durchschnittliche Lebenszufriedenheit und das Glücksempfinden in Deutschland stetig gestiegen.

Laut dem internationalen World Happiness Report erlebten die Deutschen nach den Isländern seit 2004 unter den Bewohnern von Industrieländern den stärksten Anstieg ihres Glücksempfindens. Auch der World Value Survey attestiert den Deutschen ein gewachsenes Glücksempfinden zwischen der ersten Befragung in 1998 und der letzten Erhebung in 2014. Laut Eurobarometer stieg der Anteil der mit ihrem Leben zufriedenen Deutschen seit 2005 nahezu ungebrochen und erreichte 2015 mit 92 % den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnung für Westdeutschland in 1973.

Auch auf Deutschland fokussierte Untersuchungen zeigen einen deutlichen Aufwärtstrend. Laut Sozioökonomischem Panel stieg die Lebenszufriedenheit seit 2004 und übertrifft mittlerweile den Spitzenwert, der zu Beginn der Aufzeichnung 1990 gemessen wurde. Zum gleichen Ergebnis kommt der auf repräsentativen Telefon-Interviews basierende „Glücksatlas“ der Deutschen Post.

Die Lebenszufriedenheit der Deutschen ist seit ca. 2005 nicht nur durchschnittlich gewachsen, sondern verteilt sich auch gleichmäßiger über Individuen und Raum. Zwar ist die Lebenszufriedenheit auf dem Gebiet der ehemaligen DDR weiterhin geringer als in West- und insbesondere Norddeutschland, doch seit der Wiedervereinigung näherte sich Ostdeutschland dem Bundesdurchschnitt kontinuierlich an, insbesondere unter jüngeren Kohorten. Die interindividuelle Ungleichheit der subjektiven Lebenszufriedenheit ist geringer als die Einkommensungleichheit und ist seit 2005 stärker als die Einkommensungleichheit gesunken.

Triebfedern des Glücks: Beschäftigung und Wohlstand

Weshalb wurden die Deutschen glücklicher? Ein Teil des Aufwärtstrends der letzten 15 Jahre lässt sich durch die relativ ausgeprägte Unzufriedenheit zu Beginn der 2000er Jahre erklären, als das wirtschaftlich schwächelnde Deutschland als „kranker Mann“ Europas galt. Seit den sogenannten „Hartz-Reformen“ sank die Arbeitslosigkeit merklich. Felbermayr et al. (2017) zeigen, dass die sinkende Arbeitslosigkeit die wichtigste Determinante der durchschnittlich höheren Lebenszufriedenheit ist. Wie Schöb et al 2016 für Teilnehmer von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zeigen, wirkt sich auch das Gefühl, eine nützliche Tätigkeit auszuführen, positiv auf die Lebenszufriedenheit aus. Auch der Better Life Index der OECD illustriert, dass Deutschland insbesondere hinsichtlich des Arbeitsmarkts und der Work-Life-Balance seit Jahren an Attraktivität gewonnen hat.

Einen Beitrag zum wachsenden Glücksempfinden liefert auch das Wirtschaftswachstum Deutschlands über die letzten 15 Jahre. Während einige Forscher lange davon ausgingen, dass höhere Einkommen die Bürger von Industrieländern nicht glücklicher machen, legt aktuelle Forschung einen deutlichen Zusammenhang zwischen wachsenden Einkommen und subjektivem Glücksempfinden nahe.

Weniger eindeutig ist der Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und demographischer Alterung. Statistisch erreicht die individuelle Lebenszufriedenheit in Industrieländern mit Mitte 40 einen Tiefpunkt, steigt danach an und sinkt erst im hohen Alter wieder rapide. In Deutschland beträgt das Durchschnittsalter derzeit etwa 45 Jahre, weshalb für die kommenden Jahrzehnte bei anhaltendem Wirtschaftswachstum eher von wachsender Zufriedenheit auszugehen ist. Zumindest für die nahe Zukunft erwarten die Deutschentatsächlich ein noch zufriedeneres Leben zu führen.

Individueller Optimismus, gesellschaftlicher Pessimismus

Die optimistische Selbsteinschätzung der Deutschen steht in einem bemerkenswerten Widerspruch zur Einschätzung der momentanen und zukünftigen Lebenszufriedenheit ihrer Mitbürger. Nicht nur hinsichtlich der globalen Entwicklung sind die Deutschen überwiegend überzeugt, dass die Armut in den letzten 20 Jahren zugenommen hat und dass die Welt auch in Zukunft „[k]ein besserer Ort wird“. Auch bezogen auf ihr eigenes Land erwarten die Deutschen einen düstere Zukunft: Altersarmut, Arbeitslosigkeit, Vermögensentwicklung, Umweltrisiken und wirtschaftliche Stagnation. Die jüngere Generation zeigt sich dabei besonders pessimistisch. Der Publizist Johannes Gross bemerkte dazu schon in den 70ern: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein übel gelauntes Land, aber ihre Einwohner sind glücklich und zufrieden.“

Untersuchungen zeigen, dass diese Diskrepanz zwischen „individuellem Optimismus“ und „sozialem Pessimismus“ in Industrieländern weit verbreitet ist. Der Glücksforscher Paul Dolan vermutet, dass der in Umfragen geäußerte gesellschaftliche Pessimismus teilweise suggestive Fragestellungen und mangelndes Wissen widerspiegelt. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf eine entscheidende Rolle von Informationsvermittlern wie den klassischen und sozialen Medien: Während die Verbesserung der eigenen Lebensumstände für die meisten Menschen persönlich erfahrbar ist, wird die Wahrnehmung langfristiger nationaler und internationaler Trends durch eine systematisch pessimistische, auf negative Einzelfälle fokussiertes Berichterstattung verzerrt.

Eng verbunden mit der unterschiedlich stark ausgeprägten Erfahrbarkeit persönlicher Lebensumstände und nationaler Trends ist die wahrgenommene Kontrolle über diese. Auf den Psychologen Martin Seligman geht die Hypothese des „erlernten Optimismus“ zurück, der zufolge Menschen zukünftige Entwicklungen optimistischer einschätzen, wenn sie diese direkt beeinflussen können.

Mut zum Optimismus

Die gemessene hohe persönliche Lebenszufriedenheit der Deutschen steht in Kontrast zum pessimistischen Bild ihrer Lebenswirklichkeit, das von in der Medienöffentlichkeit stehenden Bedenkenträgern mehrheitlich gezeichnet wird. Gewiss gibt es stets Möglichkeiten zur Verbesserung, doch das bereits Erreichte sollte gerade angesichts der positiven Selbsteinschätzung der Menschen in diesem Land nicht zu kurz kommen.

Die enormen, in der marktwirtschaftlich organisierten Demokratie bereits erzielten Fortschritte verdienen es, stärker in den Vordergrund gerückt zu werden. Projekte wie das durch den verstorbenen Entwicklungsforscher Hans Rosling angestoßene Gapminder oder Max Rosers OurWorldInData bieten dazu Inspiration und bilden eine wichtige Gegenstimme zu den Schwarzmalern, die die Lebenswirklichkeit ihrer Mitmenschen pessimistischer einschätzen als diese selbst. Eine ausgewogenere Würdigung der hohen Lebenszufriedenheit wäre wünschenswert – sie würde das Bewusstsein für die Gefahren schärfen, die ein „Systemwechsel“ in Form einer Abkehr vom Erfolgsmodell der marktwirtschaftlich organisierten Demokratie birgt.

Erstmals erschienen bei IREF.

Photo: Braden Collum from Unsplash (CC 0)

Gregor Gysi hat in dieser Woche in der SUPERillu eine steile These aufgestellt. Im Zusammenhang mit der geplanten Erhöhung des Rundfunkbeitrages sagte Gysi: „Der Rundfunkbeitrag sichert mediale Unabhängigkeit.“ Meine These ist dagegen, dass der Rundfunkbeitrag die mediale Unabhängigkeit gefährdet, also das Gegenteil eintritt. Schließlich leben wir nicht mehr im letzten Jahrhundert. In der analogen Welt gab es nur drei Programm – ARD, ZDF und das Dritte. Die Digitalisierung verändert jedoch inzwischen alles. Rundfunkfrequenzen sind nicht mehr knapp. Inzwischen gibt es etwa 400 TV-Sender in Deutschland. Alleine die öffentlich-rechtlichen Sender beitreiben mittlerweile 23 Fernsehkanäle und 63 Radiosender. Seit einigen Jahren stellen das Internet, YouTube und Video-on-Demand-Anbieter das bisherige Angebot zusätzlich auf den Kopf. Immer weniger junge Menschen schauen klassisches Fernsehen. Die Tagesschau und der Tatort am Sonntag ist für Vierzigjährige aufwärts. Die Kids schauen lieber eine Netflix-Serie und das zu einem Zeitpunkt, den sie bestimmen.

Die deutsche Rundfunkordnung ist antiquiert. Denn sie folgt bei ihrer Finanzierung einem ungewöhnlichen Prinzip – einem Kostendeckungsprinzip. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten beantragen ihren Finanzbedarf anhand ihrer Kostenentwicklung, die dann von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten, kurz KEF, auf ihre Notwendigkeit beurteilt wird. Die Empfehlung der KEF geht dann an die Landtage, die über die Empfehlung der KEF entscheiden müssen.

Kosten zu produzieren, ist nicht schwer. Daher verwundert es nicht, dass Deutschland mit Abstand den teuersten öffentlichen Rundfunk der Welt hat. Daran wird sich auch in der nächsten Finanzierungsrunde von 2021 bis 2024 nichts ändern. Zwar hat die KEF die zusätzlichen Wünsche von ARD und ZDF auf rund die Hälfte gekürzt, dennoch kommt ein sattes Plus von 1,5 Milliarden Euro heraus. Sie schlägt deshalb ab 2021 eine Beitragserhöhung um 86 Cent auf dann 18,36 Euro monatlich vor. Daraus folgen geschätzte Beitragseinnahmen von jährlich 7,64 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Japan gibt 6,4 Mrd. Euro (Zahlen von 2014), Großbritannien 4,6 Mrd. Euro und Frankreich 3,3 Mrd. Euro für seinen Rundfunk aus. Gestandene Demokratien wie Schweden (804 Mio. Euro), Dänemark (492 Mio. Euro) und Kanada (861 Mio. Euro) liegen ebenfalls weit davon entfernt.

Innovationen finden nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen statt. Video-on-Demand-Anbieter wie Netflix, Prime Video, Disney und andere sind weltweit erfolgreich. Nicht nur die Öffentlichen, sondern auch die privaten Anbieter in Deutschland haben diesen Markt völlig verschlafen und hinken jetzt mühsam hinterher. Das liegt nicht nur, aber auch an der Übermacht der Öffentlichen-Rechtlichen in Deutschland. Wer im Heimatmarkt gegen die staatlich induzierte Übermacht von ARD und ZDF ankämpfen muss, hat dann nicht genügend Mittel frei, um in neue Geschäftsfelder und teure Produktionen zu investieren.

Es ist also hausgemacht, dass der Rundfunkbeitrag immer teurer wird, die Programme von immer weniger Menschen gesehen werden wollen und gleichzeitig die technische Entwicklung an Deutschland völlig vorbeigeht. Weniger öffentlicher-rechtlicher Rundfunk würde stattdessen der Branche insgesamt einen Innovationsschub ermöglichen, weil Verkrustungen aufgebrochen, Ressourcen besser verteilt würden und neue Angebote auf den Markt kämen. Denn nur der Wettbewerb sichert die Unabhängigkeit der Meinungsbildung jedes Einzelnen.

Im Mai 2015 hatte Prometheus ein Gutachten des Wettbewerbsökonomen Justus Haucap vorgelegt, das eine weitgehende Privatisierung der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten vorschlug. Der mögliche Privatisierungserlös sollte in ein Stiftungsfonds eingebracht werden, mit dessen Mitteln gesellschaftlich bedeutsame Programminhalte (z.B. Bildungsfernsehen, bestimmte Kulturangebote oder Randsportarten) bezuschusst werden können. Der Inhalt des Gutachtens und seine Schlussfolgerungen sind heute noch gültig. Daran wird auch nicht die von der ARD Anfang 2019 in Auftrag gegebene Studie „Framing Manual – Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD“ etwas ändern. Darin heißt es unter der beispielhaften linguistischen Umsetzung des moralischen Framings: „Kein Demokratiekapitalismus. Kein Rundfunkkapitalismus. Kein Informationskapitalismus.“ Die öffentlich-rechtliche Rundfunkordnung wird als Bollwerk gegen den Kapitalismus stilisiert. Gregor Gysi gefällt das bestimmt. Doch der Kapitalismus oder auch die Wettbewerbswirtschaft haben mit Sicherheit unendlich viel mehr für eine stabile Demokratie, eine pluralistische Gesellschaft und einen funktionierenden Rechtsstaat getan als der gesamte öffentliche-rechtliche Rundfunk in den 70 Jahren seines Bestehens.

 

Photo: The National Guard (CC BY 2.0)

Die Auswirkungen des Ausbruchs des Coronavirus sind noch nicht absehbar. Wie die Verbreitung eingedämmt werden kann, ist ebenso unklar wie die ökonomischen Folgen. Die internationale Vernetzung ganzer Wertschöpfungsketten ist in Zeiten einer globalisierten Wirtschaft anfällig für Unterbrechungen durch Krankheiten, Epidemien oder sogar eine Pandemie, die uns jetzt vielleicht droht. Doch ohne diese Globalisierung, also die internationale Arbeitsteilung, wird die Bekämpfung von Epidemien nicht gelingen. Nur dadurch, dass international geforscht und entwickelt wird und die Erkenntnisse ausgetauscht werden, kann das Problem bewältigt werden. Daher ist der Virus nicht ein Beleg gegen die Globalisierung, sondern ein Beweis dafür, dass sie unverzichtbar ist.

Letzte Woche wurde bekannt, dass Hongkong wegen des Coronavirus jedem Bürger 10.000 Hongkong-Dollar (rund 1.180 Euro) auszahlen will, um die schrumpfende Wirtschaft zu stimulieren. Die ARD sprach sogleich von Helikoptergeld. Auch Der Spiegel und Zeit online schlossen sich dieser Analyse an. Vielleicht war hier der Wunsch Vater des Gedankens.

Denn tatsächlich ist das, was Hongkong macht, fast schon das Gegenteil von Helikoptergeld: Es ist eine einmalige Steuersenkung oder eine pauschale Steuerrückerstattung. Hongkong hat umgerechnet 133 Milliarden Euro Reserven, die jetzt zu einem kleinen Teil (14 Milliarden Euro) genutzt werden, um die Bürger zu entlasten, und die zusätzlich eingebettet sind in weitere Entlastungsmaßnahmen.

Doch zurück zum Missverständnis von ARD, Spiegel und Zeit online. Helikoptergeld ist etwas völlig anderes. Hierbei druckt die Zentralbank Zentralbankgeld und verteilt es direkt an die Bürger, um so die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu stimulieren. Die Banken werden dabei umgangen. In „normalen“ Zeiten unseres Geldsystems sorgen eigentlich überwiegend die Banken dafür, dem Wirtschaftskreislauf Geld zur Verfügung zu stellen. Sie machen es, indem sie Kredite vergeben und damit neues Geld schaffen. Doch wenn der Kreditfluss stockt, dann kommt es zur Rezession. Dies kann daran liegen, dass im Bankensystem viele faule Kredite schlummern und daher hoher Wertberichtigungsbedarf in den Bilanzen droht. Es können aber auch Ereignisse wie eine Epidemie oder Unruhen sein, die das Vertrauen in Investitionen und dadurch in die Kreditvergabe hemmen.

In diesen Fällen greifen Notenbanken zunehmend zu so genannten unkonventionellen Maßnahmen. Die EZB gehört vorneweg dazu. Sie hat durch den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen neues Geld in den Geldkreislauf gebracht – inzwischen für 2.800 Milliarden Euro -, indem sie den Ankauf von Schulden von Staaten und Unternehmen mit Geld aus dem Nichts finanziert hat. Damit werden die Zinsen auf breiter Front gedrückt und die Refinanzierung für Staaten und Unternehmen verbilligt. Am Ende können sich alle mehr Schulden leisten. Eine schöne Welt.

Die nächste Stufe dieser unkonventionellen Geldpolitik ist tatsächlich das Helikoptergeld. Dann könnten die Geldingenieure ohne Umweg den Konsum anregen. Doch das Ganze ist eine Täuschung. Schon das eigene Gefühl sagt einem das. Einfach Geld zu drucken und ohne Sinn und Verstand über die Bürger zu verteilen, kann nicht richtig sein. Da muss es doch einen Haken geben. Irgendwie muss es doch auch einen Zusammenhang zwischen Sparen und Investitionen geben?

Und so ist es auch. Investitionen ohne Sparen kann es nicht geben. Der Bürger soll beim Helikoptergeld hinter die Fichte geführt werden. Es soll ein Wohlstand suggeriert werden, der gar nicht vorhanden ist. Denn eine reine Ausweitung der Zentralbankgeldmenge ist letztlich eine Inflation – nämlich eine Inflation der Menge an Geld. Doch Geld ist ein Gut wie jedes andere. Seinen Wert erhält es nur, wenn es knapp ist. Ludwig von Mises meinte dazu: „Wenn ein Gut Geld bleiben soll, darf die öffentliche Meinung nicht glauben, dass mit einer schnellen und unaufhaltsamen Vermehrung seiner Menge zu rechnen ist.“

Erstmals erschienen bei Tichys Einblick.