Photo: Tanguy Sauvin from Unsplash (CC 0)

Von Tom Gäbelein, studiert im Masterstudium Ethics – Economics, Law, and Politics an der Ruhr-Universität Bochum.

Im Rahmen unseres Essay-Wettbewerbs „Internationaler Steuerwettbewerb – Risiko oder Chance?“, den wir gemeinsam mit dem BDI – Bundesverband der Deutschen Industrie, Delfs & Partner, Wagemann + Partner und TP&C veranstaltet haben, wurde das Essay von Tom Gäbelein mit dem 3. Platz ausgezeichnet. Das vollständige Essay finden Sie hier. Untenstehend das Fazit:

Die Frage, ob es sich beim internationalen Steuerwettbewerb um ein Risiko oder eine Chance handelt, stellt sich eigentlich nicht. Es handelt sich um eine Chance, die schon seit einigen Jahrzehnten positive Entwicklungen hervorgebracht hat, und nicht industrialisierten Ländern auf dem Spielfeld der Weltwirtschaft ein wirksames Instrument bot, um den eigenen Wohlstand zu erhöhen und aufzuschließen. Die ehemaligen Vorreiter der Industrialisierung haben dadurch ihre Monopolstellung als Wirtschaftsstandorte eingebüßt, doch die Folgen davon sind äußerst positiver Natur. Durch ein internationales Steuerkartell soll jetzt die Macht wiederhergestellt werden. Es bleibt kaum mehr als zu hoffen, dass die „nicht kooperativen Länder“ ihren Kurs trotz der Sanktionen fortsetzen und die Stimmen gegen die neofeudalistischen Praktiken des Europäischen Rates lauter werden. Die von OECD und EU angetriebene BEPS-Politik wirft viele Fragen auf. Lässt man die nach dem Problem, das hier gelöst werden soll, einmal außenvor, bleiben jene zu Kosten und Nutzen und Effektivität und berechtigte Befürchtungen negativer Folgen. Eine Harmonisierung kann zu Verbesserungen führen – die Zielsetzung muss dann aber eine völlig entgegengesetzte sein.

2 Kommentare
  1. Edward Koehler
    Edward Koehler sagte:

    Sehr guter Beitrag! Bürokraten scheuen von Natur aus den Wettbewerb, daher ist jeder Staat, der eine Alternative aufzeigt, gefährlich für die eigene Position und könnte in der Bevölkerung störende Diskussionen anstoß en (vgl. Schweden und Corona). Geld bedeutet Macht. Und da die Steuerbelastung i.d.R. nur eine Richtung kennt, nämlich nach oben, bedeuten hohe Steuern und entsprechende Umverteilungen viel Macht. Geringe Steuern bedrohen also den Einfluss der politischen Eliten und ihrer Bürokratien. Da weniger politischer Einfluss mehr Freiheit (und natürlich mehr Selbstverantwortung) für die Bürger bedeutet, ist der Steuerwettbewerb ein wichtiges Instrument, Freiheiten vor dem Zugriff des Staates zu bewahren.

    Antworten
  2. Dirk Schlotböller
    Dirk Schlotböller sagte:

    Guten Tag,
    das klingt grundsätzlich nachvollziehbar, aber bei der Diskussion um Steuervermeidung und unkoopetative Länder geht es doch eher um rein formale Verlagerung („Briefkästen“). Wenn Unternehmen hier arbeiten und hier ihre Güter verkaufen (und damit die hiesige Infrastruktur nutzen), aber ihre Gewinne anderso versteuern – sehen Sie dann keinen Handlungsbedaf. Christiano Ronaldo hat sich seine werbenden Tweets vergolden lassen, aber als Marke, die irgendwo in der Karibik ansässig war, nicht als Fussballer in Europa. Oder Anleger, die ihre Einkommen hier nicht versteuern, weil das Finanzamt von den unkooperativen Ländern keine Daten bekommt. Hier gemeinsame Standards zu erarbeiten finde ich nachvollziehbar.
    Schöne Grüße
    Dirk Schlotböller

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.