Photo: Antoine Gady from Flickr (CC BY-ND 2.0)

Wohlstand, das Gefühl der Sicherheit, das „richtige“ Leben führen – das sind alles Dinge, die uns glücklich machen können. Doch wer kann uns dazu verhelfen? Die Politiker, auf die immer so gerne geschimpft wird? Oder vielleicht doch eher wir selbst?

Im Zweifel für den bequemen Weg

Sie sorgen dafür, dass die Ungleichheit beseitigt wird. Sie schützen uns vor Terroristen. Sie retten die benachteiligten Arbeiter vor gierigen Arbeitgebern. Sie helfen uns, vor dem Einkaufsregal die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dies sind jedenfalls die Eindrücke, die Politiker gerne erwecken. Obwohl man sich vom Stammtisch bis in die Hörsäle über Politiker mokiert, legen doch die Wahlergebnisse den Schluss nahe, dass es sich dabei eher um ein Ritual handelt. Im Zweifel ist das Gefühl des Versorgtseins doch sehr bequem.

Man leistet sich den herablassenden Blick auf Politiker, aber lässt sie weiter gewähren, nicht zuletzt weil sich in deren buntem Angebots-Portfolio immer irgendwo ein paar Punkte finden, von denen man selber profitieren könnte. Der eine schimpft darauf, dass die Politik von der Unternehmenslobby ferngesteuert wird, freut sich aber über staatliche Preiskontrollen wie den Mindestlohn oder die Mietpreisbremse. Der andere beschwert sich über die hohe Steuerlast, ist aber froh, dass mit dem Tarifeinheitsgesetz Herrn Weselsky endlich mal gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Und ein dritter empört sich über die „Genderideologie“ in staatlichen Lehrplänen, applaudiert aber kräftig, wenn das Schengen-Abkommen zur Disposition gestellt werden soll.

Die Versorgungsmentalität offenbart mangelndes Selbstvertrauen

Die Mischung aus Sicherheitsbedürfnis, Bequemlichkeit und dem Verfolgen eigener Interessen macht uns anfällig dafür, trotz allen Nörgelns wieder und wieder Politikern freie Hand zu gewähren. Sie mögen uns nicht unbedingt sympathisch sein, aber sie nützen uns. Der genauere Blick auf diese – sich durchaus nicht nur monetär manifestierende – Versorgungsmentalität offenbart eine grundlegende Schwäche, nämlich mangelndes Selbstvertrauen. Das Gegenteil der Haltung, von Politikern Unterstützung für die eigenen Interessen, Präferenzen und Überzeugungen zu erwarten und einzufordern, besteht darin, selber die Dinge in die Hand zu nehmen.

Politik kommt nicht umhin, sich des Mittels des Zwangs zu bedienen. Sicher kommt der in freiheitlichen Demokratien weniger hart daher als in Despotien und Diktaturen. Aber auch in Rechtsstaaten gilt: Wer sich etwas von der Politik erhofft, sollte sich zumindest dessen bewusst sein, dass sein Ziel nicht gänzlich ohne Zwang erreicht werden kann. Dem gegenüber steht die unternehmerische Haltung. (Und dieser Ansatz erfordert durchaus nicht ein Startkapital und einen Gewerbeschein – jeder kann sich unternehmerisch verhalten!)

Glücklich machen wir uns selbst, indem wir uns etwas aufbauen

Die unternehmerische Haltung bedeutet, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Klar, nicht jedes Problem, das die Politik zu lösen verspricht, kann ein einzelner bewältigen. Aber er kann versuchen, das Problem mit Hilfe von Kreativität und Kooperation selber zu lösen. Er sollte zunächst auf sich selbst und seine Mitmenschen vertrauen, ehe er die Waffen streckt und den Staat zuhilfe holt. Wer an Politikern herumnörgelt, um dann schließlich doch wieder nach ihnen zu rufen, offenbart letztlich eine negative und destruktive Attitüde, die in Bequemlichkeit mündet. Eine positive, selbstbewusste und konstruktive Attitüde beweist der, der nicht nörgelt, sondern selber anpackt.

Es ist die Attitüde, die Haltung, die letztlich darüber entscheidet, ob wir glücklich werden. Nicht die Privilegien, die ein Politiker uns gewährt, machen uns glücklich, auch wenn sie kurzfristig ein Bedürfnis befriedigen mögen. Glücklich machen wir uns selbst, indem wir uns etwas aufbauen. Wenn wir am Ende des Tages feststellen können, dass wir unsere Ziele nicht durch die Gunst anderer erreicht haben, sondern weil wir kreativ waren und mit anderen zusammengearbeitet haben.

„Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss“

Vor etwa 90 Jahren brachte der Ökonom Ludwig von Mises diesen Unternehmergeist auf den Punkt:

„Kaum einer unter Millionen erreicht im Leben das, was er angestrebt hat. Der Erfolg bleibt selbst für den vom Glück Begünstigten weit hinter dem zurück, was ehrgeizige Tagträume in der Jugend hoffen ließen. An tausend Widerständen zerschellen Pläne und Wünsche, und die eigene Kraft erweist sich zu schwach, um das zu vollbringen, was ihr der Geist zum Ziel gesetzt hat. Das Versagen der Hoffnungen, das Misslingen der Entwürfe, die eigene Unzulänglichkeit den gestellten und selbstgesetzten Aufgaben gegenüber sind jedermanns größtes und schmerzlichstes Erlebnis, sind das typische Menschenschicksal.

Auf zweifache Art kann der Mensch auf dieses Schicksal reagieren. Den einen Weg weist die Lebensweisheit Goethes. ‚Wähntest du etwa, ich sollte das Leben hassen, in Wüsten fliehen, weil nicht alle Blütenträume reiften?‘ ruft sein Prometheus. Und Faust erkennt im ‚höchsten Augenblick‘, dass ‚der Weisheit letzter Schluss‘ sei: ‚Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss‘. Solchem Willen und Geist kann kein irdisches Missgeschick etwas anhaben; wer das Leben nimmt, wie es ist, und sich nie von ihm niederwerfen lässt, bedarf nicht des Trostes durch eine Lebenslüge, zu der sein gebrochenes Selbstbewusstsein flüchtet. Wenn der ersehnte Erfolg sich nicht einstellt, wenn Schicksalsschläge das mühsam in langer Arbeit Erreichte im Handumdrehen vernichten, dann vervielfacht er seine Anstrengungen.“

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