Photo: Urip Dunker from Usnplash (CC 0)

Von Gottfried Heller, Finanz- und Börsenexperte und Mitgründer der FIDUKA.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch „Die Revolution der Geldanlage“, das soeben in dritter Auflage erschienen ist. In der vergangenen Woche äußerte sich Gottfried Heller bereits zu den schwachen Ergebnissen der Rentenkommission und beschrieb das Rentensystem der Niederlande und Schwedens.

Die USA: Gut gerüstet für ein rüstiges Alter

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind vermutlich weltweit das bekannteste Beispiel für eine seit langem bestehende betriebliche und private Vorsorge. Mir fällt allerdings bei Gesprächen mit Deutschen immer wieder auf, dass viele gar nicht wissen, dass die Amerikaner ihre Altersvorsorge beileibe nicht allein auf die beiden privaten Säulen beschränken, sondern auch ein funktionierendes System der staatlichen Rente haben.

Ich kann es beurteilen, weil ich selbst für meine sechs Jahre in den USA eine kleine Rente aus der Social Security erhalte. Meine Gesprächspartner wundern sich oft, dass der Betrag für die wenigen Jahre, die ich in die Versicherung eingezahlt habe, erstaunlich hoch ausfällt. Dabei liegt der Beitragssatz seit rund 30 Jahren unverändert bei 12,4 Prozent, je zur Hälfte zu tragen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Das ist also deutlich weniger als in Deutschland mit 18,6 Prozent (2020).

Da die Beschäftigten einen geringeren Anteil ihres Einkommens für die gesetzliche Rente ausgeben müssen als bei uns, haben sie netto mehr Geld für die betriebliche und private Vorsorge übrig. Dieses »eingesparte« Geld fließt seit 1978 vielfach in die betriebliche Vorsorge, die mit dem 401(k)-Plan (benannt nach dem entsprechenden Paragraphen im Steuergesetz) eine rentable und flexible Lösung bietet.

Viele Arbeitgeber, vor allem aus größeren Unternehmen, schießen 50 bis 100 Prozent der Beiträge zu. Arbeitnehmer können bis zu 15 Prozent ihres Jahreseinkommens, maximal 19.000 Dollar (2019, die Grenze steigt in etwa mit der Inflationsrate) einzahlen, über 60-Jährige zusätzlich 6.000 Dollar. Wenn man das mit den maximal 2.100 Euro jährlich für die Riester-Rente vergleicht, wird schnell klar: Mit so geringen Beträgen können die Deutschen kein Vermögen aufbauen, das den Rückgang des Rentenniveaus ausgleichen könnte – zumal hierzulande das Geld überwiegend in Riester-Versicherungen fließt, die wiederum überwiegend in Zinsanlagen investieren, die kaum Rendite abwerfen.

Ganz anders in den USA: Die Beiträge der 401(k)-Pläne werden überwiegend in Aktien- und gemischten Fonds investiert, bei denen die Anlagestrategie auf das erwartete Rentenalter abgestimmt wird. Im Durchschnitt betrug die Aktienquote 2018 stolze 67 Prozent. In den letzten Jahren wurde ein zunehmend größerer Teil in ETF-Sparpläne angelegt, weil sie flexibel, breit gestreut und vor allem außerordentlich preiswert sind. Da einige der Anbieter von klassischen 401(k)-Fondsplänen hohe Gebühren berechnet hatten, gab es immer wieder Konflikte und sogar Gerichtsverfahren. Das war natürlich ein gefundenes Fressen für die Anbieter von ETF-Plänen.

Die Beiträge sind für Arbeitnehmer steuerfrei, der Arbeitgeber kann seinen Anteil als Betriebsausgaben absetzen. Es gibt allerdings seit 2006 zusätzlich den Roth 401(k) (benannt nach dem Senator, der das Gesetz eingebracht hat), der mit versteuertem Einkommen aufgebaut wird. Bei ihm sind die Erträge dafür im Rentenalter steuerfrei, während sie beim klassischen 401(k) dann der Einkommensteuer unterliegen. Die Beschäftigten können also wählen, mit welcher Variante sie sich steuerlich besserstellen, und sie können auch die Beiträge auf die beiden Arten splitten, was zunehmend mehr Arbeitnehmer machen.

Unabhängig von der betrieblichen Vorsorge gibt es den Roth IRA, mit dem Privatpersonen aus versteuertem Einkommen 2019 Vorsorgevermögen bis zu jährlich 6.000 Dollar (über 50-Jährige bis zu 7.000 Dollar) ansparen konnten. Auch dieses Geld fließt überwiegend in Fonds und ETFs. 2019 waren 59 Prozent der Gelder in Aktien angelegt. Kapitalwachstum, Dividenden und Zinsen sind nach fünf Jahren Vertragsdauer steuerfrei.

Die transparente, flexible und renditestarke Art der Altersvorsorge hat bewirkt, dass US-Bürger 2014 kurz vor Renteneintritt (mit 60 bis 64 Jahren) im Durchschnitt 360.000 Dollar auf ihren Vorsorgekonten angespart hatten. Im Durchschnitt hatten die USA 2018 rund 145 Prozent des BIP im Ansparverfahren für die Rente angelegt. Das ist das 2,6fache des deutschen Betrags von 56 Prozent und sehr viel, wenn man bedenkt, dass zusätzlich noch rund 80 Prozent der Rentnerhaushalte über Immobilienvermögen verfügen – ein Riesenunterschied zu Deutschland. Und dieser Umstand ist mit ein Grund dafür, dass der amerikanische Durchschnittshaushalt im internationalen Vergleich finanziell relativ gut für den Ruhestand gerüstet ist. Im Durchschnitt verfügen US-Amerikaner über 227 364 Euro Brutto-Geldvermögen. Das ist über dreimal so viel wie das der Deutschen mit 74 616 Euro. Der Anteil des Umlageverfahrens an der Altersrente liegt mit 54 Prozent deutlich niedriger als in Deutschland, das mit 75 Prozent eine bedenkliche Spitzenposition in den Industriestaaten einnimmt.

Die Schweiz: Freiheit zahlt sich aus

Die Eidgenossen haben im Herbst 2017 Schlagzeilen gemacht, weil eine Volksabstimmung über eine Rentenreform gescheitert ist, der Vorschlag des Parlaments fiel bei der Bevölkerung knapp durch. Die Reform hatte eine Gleichstellung des Renteneintrittsalters für Frauen an das der Männer sowie eine leichte Anhebung der Beitragssätze zur gesetzlichen Rentenversicherung und eine Mehrwertsteuererhöhung vorgesehen. Die Schweiz leidet wie fast alle Industriestaaten unter den demografischen Veränderungen, weshalb die staatliche Sozialversicherung unter Druck steht.

Die gesetzliche Rente ist obligatorisch für die gesamte Bevölkerung, egal ob Angestellte, Beamte oder Selbständige. Sie dient der Existenzsicherung und der Vermeidung von Altersarmut, ist also eine typische Basisrente. Es gibt allerdings in der Schweiz keine Beitragsbemessungsgrenze, die Beiträge sind also nach oben offen.

Säule zwei betrifft die berufliche Vorsorge, die für alle Arbeitnehmer ab einem bestimmten Einkommen (2019 waren es 21.350 Franken) ebenfalls Pflicht ist. Das Geld wird überwiegend in Pensionskassen angelegt, bei denen der Arbeitgeber aus einer Vielzahl wählen kann.

Die Beitragssätze sind je nach Alter, Verdienst und Arbeitgeber unterschiedlich, jeweils die Hälfte zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte. Die Anlagestrategie der schweizerischen Pensionskassen ist wesentlich aktienfreundlicher als die ihrer deutschen Pendants, sie legen im Durchschnitt rund 30 Prozent in Aktien an, hinzu kommen mit gut 15 Prozent Immobilien weitere Sachwerte. Gesetzliche Rente und Betriebsrente zusammen sollen nach dem Willen der Regierung 60 Prozent des vor dem Ruhestand erzielten Einkommens erreichen.

Die dritte Säule ist eine freiwillige private Vorsorge. Sobald mit ihr Steuererleichterungen in Anspruch genommen werden, ist ein Sparvertrag bindend. Deshalb nennt man sie gebundene Vorsorge. Sie kann mit Bankeinlagen, Wertpapieren oder Versicherungen geleistet werden. Die Einzahlungen können vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden, mindern also die Steuerlast. Erträge und Wertsteigerungen sind während der Sparphase steuerfrei. Die Auszahlung wird zu einem deutlich reduzierten Steuersatz belastet, die Erträge daraus sind im Ruhestand steuerpflichtig. Arbeitnehmer, die Mitglied einer Pensionskasse sind, können bis zu 6.826 Franken (2019) jährlich in die gebundene Vorsorge einzahlen, Selbständige und Arbeitnehmer ohne Pensionskasse bis zu 20 Prozent des Nettoeinkommens, höchstens 34.128 Franken. Auch hier also wie in den USA: Deutlich höhere Beiträge als in Deutschland werden steuerlich gefördert, und es gibt viel Freizügigkeit und Flexibilität in der Gestaltung der Vorsorge.

In der Schweiz bestreitet das Umlageverfahren 57 Prozent der Rente und das Durchschnittsvermögen pro Kopf liegt mit 266 318 Euro weltweit auf dem höchsten Niveau und ist mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland.

In der kommenden Woche skizziert Gottfried Heller einen Reformvorschlag für Deutschland.

2 Kommentare
  1. Ralf Becker
    Ralf Becker sagte:

    Was die Rente betrifft, kann man die Leistungen der Staaten fast gar nicht miteinander vergleichen, weil wir ein System haben, bei dem der Krisenverursacher der Krisengewinner ist.

    Länder wie Italien verbessern erstmal ihre Wirtschaftszahlen, weil sie etwa eine Flat-Tax für Ultrareiche anbieten und daher mehr Geld aus dem Ausland ins eigene Land fließt. Aber alle anderen Nachbarländer werden durch ein solches Verhalten umso mehr geschädigt.
    Dann ist Italien doch auch noch der Neuen Seidenstraße beigetreten.

    Hatte bei KenFM zur Neuen Seidenstraße folgendes kommentiert:
    6. Januar 2020 at 14:53
    Die Neue Seidenstraße verfolgt folgenden Zweck:

    Die Handelsverbindungen sollen gestärkt und die Absatzmärkte der teilnehmenden Länder stärker an China gebunden werden.

    Soweit sich Länder an dieser Initiative beteiligen, bekommen sie zwar das Geld aus China, aber sie müssen sich dort auch verschulden.

    Mitunter ist zu lesen, dass die Neue Seidenstraße eine vermeintliche Großzügigkeit Chinas ist, die jedoch andere Länder in die Schuldenfalle treibt.

    Soweit die chinesischen Kredite nicht bedient werden können, geht dann das Eigentum der Investitionsobjekte auf China über.
    China knüpft die Kredite auch an die Bedingung, dass etwaige Aufträge an chinesische Unternehmen vergeben werden. Gleichzeitig bemängeln es die europäischen Regierungen, dass deren eigenen Firmen zu wenig zum Zuge kämen.

    Italien hat sich bereits für die Neue Seidenstraße entschieden und wird dafür von anderen europäischen Ländern kritisiert.
    Ob Deutschland jetzt nun ebenfalls der Neuen Seidenstraße beitritt oder nicht, ändert dies doch nichts daran, dass China etwa auch immer mehr unseren Mittelstand aufkauft.

    Vor allem sollten wir zurzeit wegen der Corona-Krise in Sorge sein, weil die jetzige Situation ein wenig an den Reichstagsbrand vom 28. Februar 1932 erinnert, wodurch seinerzeit eine Diktatur errichtet wurde.

    Was das Corona-Virus betrifft, gibt es etwa ein brisantes Interview mit Dr. Francis Boyle,
    In diesem hat er eine detaillierte Erklärung abgegeben, in der er zugibt, dass das Wuhan-Coronavirus 2019 eine offensive biologische Kriegswaffe ist und dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits darüber Bescheid wusste.

    Francis Boyle ist Professor für internationales Recht an der juristischen Fakultät der
    Universität von Illinois. Er entwarf die innerstaatliche Durchführungsgesetzgebung der USA zum Biologiewaffenübereinkommen, bekannt als das Gesetz zur Bekämpfung des
    Terrorismus von 1989, das von beiden Kammern des US-Kongresses einstimmig angenommen und von Präsident George H.W. Bush unterzeichnet wurde.

    Er glaubt, dass das Virus potenziell tödlich ist und eine offensive biologische Kriegswaffe oder ein biologischer Kampfstoff mit doppeltem Verwendungszweck ist.
    Das Virus sei aus dem Ausland in das Labor in Wuhan geschmuggelt worden. Ein Labor in Winnipeg, Kanada, sei in den Schmuggel verwickelt gewesen.

    Jetzt leistet die Bundesregierung Anstrengungen, um wegen der Corona-Krise entsprechende Hilfen zu leisten. Es ist etwa von Kosten der Krise in Höhe von 3,4 Bio. EUR die Rede.
    Dabei muss doch unsere „deutsche Wirtschaft“ doch schon sehr viele andere Lasten in sehr erheblicher Höhe schultern.

    Jetzt hat der CDU-Wirtschaftsrat, der doch nicht so sehr mit Normalbürgern, sondern mit Intereressenvertretern der „deutschen Wirtschaft“ besetzt ist, eine Überprüfung der Klimavorgaben gefordert. Deutschland würde sonst eine ‚De-Industrialisierung‘ drohen.

    Vor allem sollten wir die fehlerhafte Funktionsweise unseres Geld- und Bankensystems analysieren.
    Wenn wir dies tatsächlich machen würden, dann würden wir es schnell feststellen, dass unser Geld allein schon deshalb nicht funktionieren kann, weil es keine positiven Werte abbilden kann, sondern etwas Ähnliches wie ein Schuldschein ist.

    Mit dem heutigen Schuldgeld kann die Allianz zwischen Politik und Banken ständig bequem Schulden machen, weil die Banken auch sehr bequem auf einen Knopf drücken können, um das viele Geld aus dem Nichts zur Verfügung zu stellen, aber der spätere Schuldenabbau funktioniert doch nicht, weil das viele Geld, das immer schneller in den Besitz der Ultrareichen gelangt, für alle anderen Personen eine Schuld ist, die später gar nicht mehr abgebaut werden kann, weil der Konsum der Ultrareichen fehlt.
    Wo es aber immer mehr Schulden gibt, da muss es auch immer mehr Zinslasten geben, die wir etwa beim Einkaufen versteckt bezahlen und gleichzeitig wird dann immer weniger Geld für die Bezahlung von Arbeit ausgegeben.

    Aber dem Bundestag fehlt auch meistens die Kompetenz um auf die vielen Probleme in geigneter Weise zu reagieren.

    Die Bundeskanzlerin mit ihrer den meisten von uns nicht hinreichend bekannten DDR-Vergangenheit „IM Erika“ dreht ständig an irgendwelchen falschen Stellschrauben.
    Ihre vielen Banker-Kontakte seien eine Instinktlosigkeit ohnegleichen.
    Vor allem sei die Kanzlerin gemäß der ehemaligen Bundespräsidenten-Kandidatin Gesine Schwan nicht in der Lage öffentlich zu argumentieren.

    Dann behaupten die SPD oder die Linke es, dass sie es gar nicht abwarten könnten, endlich sozial zu sein.
    Politiker mit Spitzendiäten und sicherem Arbeitsplatz im Bundestag scheinen es nicht abwarten zu können, dass sie Hartz IV-Empfängern endlich ein paar Euro abgeben.
    Etwa Fabio de Masi, Die Linke, hat ein Video veröffentlicht:
    BÜRGERPOST: KANN DIE EZB IN EUROS PLEITE GEHEN?
    …und vor allem müsste die EZB doch nur noch ein wenig investieren….

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