Photo: Meena Kadri from Flickr (CC BY 2.0)

Von Gustav Fritzon, Mitarbeiter beim klassisch-liberalen Think Tank Timbro in Stockholm.

Dies ist die Zusammenfassung einer Studie, die vom schwedischen Think Tank Timbro und dem Brüsseler Netzwerk Epicenter veröffentlicht wurde.

In Städten wie Berlin, London und New York werden derzeit Mietpreiskontrollen diskutiert. In Schweden gibt es seit 1942 eine Mietpreisbindung. Es gibt mindestens neun Gründe, warum die schwedische Erfahrung als warnendes Beispiel für andere Länder dienen sollte:

1. Mietkontrollen haben zu Wohnungsknappheit und langen Wartezeiten geführt. 93 Prozent der Schweden leben in Gemeinden mit fehlendem Wohnraum. Bei einem Umzug geben nur 0,5 Prozent der Hauptmieter im Zentrum Stockholms ihre Wohnung an die Wohnungsvermittlung zurück. Daher beträgt die durchschnittliche Wartezeit für eine Mietwohnung in der Hauptstadt 11,3 Jahre – bei stark subventionierten Wohnungen sogar 30 Jahre.

2. Die Regulierung verzerrt die Anreize, was zu einer raschen Umwandlung von Mietwohnungen in Genossenschaftswohnungen geführt hat. Die Regulierung führt auch zu übermäßiger Nachfrage auf den Immobilienmarkt, wodurch die Preise steigen und die Mieter dazu veranlasst werden, ihre Wohnungen unter Marktwert zu kaufen. Infolgedessen ist der Anteil der Mietwohnungen in Stockholm seit 1990 um ein Drittel gesunken – was zu einer hohen privaten Verschuldung beiträgt.

3. Mietpreisbremsen haben die durch niedrige Primärmieten hervorgerufene Übernachfrage in den Untermietmarkt kanalisiert, wodurch die Mieten für Sekundärmieter gestiegen sind. In Stockholm zahlen diese Mieter doppelt so hohe Mieten wie die Hauptmieter. Betroffen sind dabei häufig Personen mit geringem sozialem Status.

4. Die Verordnung hat einen Schwarzmarkt für Mietverträge mit einem geschätzten Jahresumsatz von 110 Millionen Euro ermöglicht. Jeder fünfte junge Mieter in Stockholm gibt zu, illegal für einen Mietvertrag bezahlt zu haben. Im Jahr 2014 kam es in Schweden zu einer Welle von Morden an Personen, die mit dem illegalen Vertragshandel in Verbindung stehen.

5. Mietkontrollen haben zu einer ineffizienten Nutzung des bestehenden Wohnungsbestandes geführt. 90 Prozent der durch die Mietregulierung verursachten Wohlfahrtsverluste von schätzungsweise einer Milliarde Euro sind darauf zurückzuführen, dass Wohnungen nicht nach der Zahlungsbereitschaft der Mieter vergeben werden. Für Familien mit Kindern führt das zu langen Pendlerzeiten, während Einzelpersonen in attraktiven Gebieten große Wohnungen bewohnen.

6. Durch die Regulierung haben Unternehmen Schwierigkeiten, neues Personal zu rekrutieren. Viele wachsende Unternehmen in wissensintensiven Wirtschaftszweigen berichten, dass die Probleme, geeigneten Wohnraum für neue Mitarbeiter zu finden, ein großes Hindernis für die Anwerbung qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte darstellt. In einer Umfrage gab ein Fünftel der Unternehmen an, dass der Wohnungsmangel im vergangenen Jahr die Anwerbung von Arbeitskräften erschwert hat.

7. Mietkontrollen tragen zur sozialen Segregation bei zwischen Insidern, bei denen es sich eher um gut ausgebildete Personen mit guten Verbindungen handelt, und Außenseitern, häufig Einwanderer oder junge Leute. Infolgedessen leben letztere tendenziell in unattraktiven Vorstädten – Gebieten mit einer außergewöhnlich hohen Konzentration an Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen.

8. Das System verfehlt sein primäres politisches Ziel: egalitäre wirtschaftliche Ergebnisse. Große Wohnungen in den attraktivsten Wohnungs-Teilmärkten erhalten die größten indirekten Subventionen. In Stockholm hatten die Haushalte, die Mietwohnungen mit mehr als 180 Quadratmetern Wohnfläche umfassten, ein Durchschnittseinkommen, das dem obersten 100sten Einkommensperzentil entsprach.

9. Mietkontrollen haben zu suboptimal hohen Wohnstandards geführt. Da die Mieten nur dann angehoben werden dürfen, wenn sich der Wohnungsstandard verbessert, nehmen Vermieter oft teure Renovierungen vor. Folglich gibt es im Markt kaum Angebote für Mieter, die die gerne in Stadtzentren wohnen möchten, sich aber höhere Wohnstandards nicht leisten können. Dies verstärkt die wirtschaftliche Segregation.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

2 Kommentare
  1. Ralf Becker
    Ralf Becker sagte:

    Wir müssen Eigentum völlig anders denken.
    Beim jetzigen vermeintlich marktwirtschaftlichen System gibt es wegen ungleich verteiltem Immobilienbesitz mit der Zeit immer weiter ansteigende leistungslose Einkommen, von denen vor allem auch wenige Ultrareiche profitieren. Dadurch wird der Konsummotor immer mehr ausgebremst, so dass es mit der Zeit immer schwieriger wird mit normaler Arbeit ein Einkommen zu erzielen.

    Jedenfalls neigt das System zu einer ständigen Verschärfung der Schieflage, weil die Marktwirtschaft keinerlei Hinsicht einer nachvollziehbaren Logik folgt.

    Schließlich ist Geld doch eigentlich eine Schuld gegenüber den Banken.

    Hier greift dann die Politik ein und sie generiert mit ständig neuen Schulden irgendwo eine künstliche Konjunktur, was für die Gesamtwirtschaft aber langfristig sehr nachteilig ist.

    In Deutschland besitzt nur knapp die Hälfte der Bevölkerung eigenes Wohneigentum.
    Es fällt auf, dass die sog. PIIGS-Eurokrisenländer (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) eine bessere Wohneigentumsquote als Deutschland haben. Ebenso gibt es auch in den meisten osteuropäischen Ländern eine deutlich geringere soziale Schieflage als in Deutschland.

    Dann stehen in Deutschland ca. 1,7 Mio. Wohnungen leer.

    Was Berlin betrifft, gibt es immer wieder Überschriften wie „Konzerne kaufen 100.000 Wohnungen“. Auffälligster Marktakteur sei dort die Deutsche Wohnen. Diese wurde 1998 von der Deutschen Bank AG gegründet.

    Letztlich macht der deutsche Staat Immobilienmultis reich.

    Vor allem auch wegen der expansiven Geldpolitik sind die Immobilen bei uns in den letzten Jahren regelrecht explodiert.

    In 2018 war etwa der seinerzeitige bayerische Finanzminister Markus Söder wegen des Verkaufs von Wohnungen an die GBW, einem privaten Investor, in die Kritik geraten.

    Dann hat das Land Berlin vor einigen Monaten knapp 6000 Wohnungen von einem Immobilienkonzern wieder zurückgekauft, aber der Deal hatte einen hohen Preis.

    Was die GSW in Berlin betrifft, gab es in 2004 mal folgende Überschrift:
    „72000 Wohnungen und Schulden von 1,56 Milliarden Euro“.

    Aber Politiker wie Sigmar Gabriel sehen das alles doch regelmäßig anders und nehmen doch Aufsichtsratspöstchen, etwa auch bei der Deutschen Bank an. Schließlich wäre es auch nicht erlaubt, dass man als Politiker von der Wirtschaft Vorteile annimmt. Aber so ist das doch alles in Ordnung.

    Viele Sozialdemokraten sind derzeit in jeder Hinsicht auf ihn sauer.

    Darüber hinaus war es vor einigen Monaten herausgekommen, dass in Berlin eine britische Milliardärsfamilie tausende Wohnungen gekauft hatte.

    Die derzeitige Politik der Bundesregierung ist also durch und durch gruselig und insofern ist es wichtig, dass wir für die Zeit nach dem großen Bankencrash eine bessere Alternative für das derzeitige Wirtschaftssystem finden, wie auch immer diese aussehen könnte.

    Antworten
  2. Heinz Walde
    Heinz Walde sagte:

    Wenn man irrige Ansichten lesen muss, dass man in Deutschland durch Immobilienvermietung Reich werden und ein „leistungsloses“ Einkommen erzielen kann, so zeigt das doch mehr als deutlich, dass das Problem immer noch nicht verstanden wurde.
    Wenn man durch Vermietung Reich werden kann warum werden dann nicht solche Kritiker sofort Vermieter und werden Reich? Nun, weil es ein Märchen ist vom Reichtum durch ermieten. Die Wertsteigerung der Objekte ist nicht real sondern buchhalterischer Natur. Wer verkauft kassiert auch keine Miete mehr.
    Werum haben die Kommunen reihenweise ihren Wohnungsbestand der nur defizitär war an private Wohnbaugesellschaften verkauft? Waren die Kommunfen zu dumm zum wirtschaftlichen Vermieten?
    Kein Land in Europa hat eine solche Masse an Bauvorschriften, Regularien, und leistet sich einen solch sozialistisch geprägten überregulieten Wohnungs“markt“.
    Die staatlich verursachten Nebenkosten machen heute bereits 30% der Miete aus.
    Wer günstigere Mieten will muß der Marktwirtschaft freien Raum lassen.
    Reduzierung der überbordenden Bauvorschriften, dies reduziert die Baukosten und beschleunigt die Baufertigstellung.
    Ausweisung von mehr Bauland, was zu sinkenden Grundstückspreisen führt.
    Niedrigere Grunderwerbssteuern, heute betragen diese bis zu 6% der Baukosten und Bauen nur verteuert, sowie die jährlichen Grundsteuern das spiegelt sich im Mietpreis/Nebenkosten wider.
    durch solche Maßnahmen würde entsteht mehr Wohnraum entstehen, was zu mehr Wettbewerb und sinkenden Mieten führt.
    Nur sozialistische Planwirtschaft verwaltet und vergrößert den Mangel wie in der DDR sehr gut zu sehen war mit einem sozialistischen Wohnraumanspruch von 16.5 m² pro Person.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.