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Photo: torbakhopper from Flickr (CC BY-ND 2.0)

Ihr Retterlein kommet, o kommet doch all‘!
Zu retten das Klima auf dem Erdenball.

Denn seht, wie in dieser bedrohlichen Zeit,
CO Zwei im Himmel dem Ende uns weiht.

O seht in Paris in der nächtlichen Stund,
Die eins Komma fünf wird gemacht wieder rund,

Mit hundert Milliarden das Wetter wird rein:
viel größer und teurer als jemals – wie fein!

Da liegt es, das Klima, wird wärmer nicht mehr.
Angela und Barack, die freuen sich sehr.

Die Eisbären knien ganz dankbar davor,
hoch oben schwebt jubelnd Herrn Schellnhubers Chor.

O beugt doch die Fakten und Zahlen wie sie,
Erhebet die Daten mit viel Fantasie.

Stimmt freudig, ihr Retter – wer sollt‘ sich nicht freu’n?
Das Klima wird besser, stimmt jubelnd mit ein!

Was geben wir Retter, was schenken wir nur,
Dir herzliebstes Klima, Dir, liebe Natur?

Lasst planen und regeln uns für alle Welt,
Und zentral uns steuern mit möglichst viel Geld.

So nimm die Milliarden zum Opfer denn hin.
Wir geben sie gerne, auch ganz ohne Sinn.

Egal ob’s was hilft. Was am Ende nur zählt:
Wir sind die Erlöser, wir retten die Welt.

Zuerst erschienen bei Tichys Einblick.

Photo: Paul Stevenson from Flickr. (CC BY 2.0)

Was Planwirtschaft anrichten kann, sollte eigentlich nach dem Untergang der DDR bekannt sein. Umso verwunderlicher ist es, wenn dennoch versucht wird, mit den Mechanismen staatlicher Planung Wirtschaftsprozesse zu lenken. Die Automobilindustrie ist das beste Beispiel dafür. Seit 2009 regelt die EU den Kohlendioxid-Austoß von Autos in Europa. Dabei werden durchschnittliche Obergrenzen für die Fahrzeugflotte des jeweiligen Autoherstellers vorgegeben. Durch eine stetige Verminderung der Obergrenzen will die EU so die Innovationskraft der Hersteller fördern und das selbstgesetzte Klimaschutzziel einer Verminderung der CO₂-Emissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu erreichen. Folgendes passiert jetzt: Automobilkonzerne im Premiumsegment leisten sich im wahrsten Sinne des Wortes eine Marke im Niedrigpreissegment – egal was es kostet. So dient die Marke Smart, dem Daimler-Konzern dazu, den Flottenausstoß an CO₂ zu senken. Zwischen 2000 und 2014 ist dies um über 28 Prozent gelungen. Wahrscheinlich hat die Marke Smart bislang innerhalb des Konzerns nie Gewinne eingefahren, dennoch hält das Unternehmen daran fest, um die politischen Klimavorgaben zu erfüllen.

Ebenso sieht es bei den Elektroautos aus. Auch hier erzeugen politische Zielvorgaben einen Handlungsdruck der heimischen Automobilindustrie. Die Bundesregierung hatte bereits 2010 das Ziel vorgegeben, dass in Deutschland im Jahre 2020 eine Million Elektroautos fahren sollen. Dazu wurden steuerliche Anreize gesetzt, die jedoch bisher erste einige tausend Fahrzeuge hervorbrachte. Seit geraumer Zeit schreit der Automobilverband daher nach größeren Subventionen, als einer simplen Kfz-Steuerbefreiung. Das kann durchaus gelingen. Die Geschichte des amerikanischen Elektroautoherstellers Tesla zeigt dies. In Norwegen wurden Elektrofahrzeuge von der 25-prozentigen Mehrwertsteuer befreit. Die Folge war, dass Tesla sein Fahrzeug zu gleichen Preis anbieten konnte wie BMW seine Fünferreihe. 2014 wurden allein 4000 Teslas in Norwegen zugelassen. Damit war der US-Autobauer auf Platz 5 der Neuzulassungen im hohen Norden. In den USA erhält das Unternehmen des Milliardärs Elon Musk umfangreiche staatliche Subventionen. Insgesamt sollen es bislang 4,4 Milliarden Euro gewesen sein. Allein für den Bau einer Batterie-Fabrik im Bundesstaat Nevada sollen 1,3 Milliarden Euro geflossen sein. Bislang hat das Unternehmen keine Gewinne erwirtschaftet. Die Verluste des letzten Quartals lagen dagegen bei 158 Millionen Dollar.

Dabei sind Elektroautos nicht einmal umweltfreundlicher als klassische benzinbetriebene Fahrzeuge. Mehrere Studien haben das nachgewiesen. Der Strom, den Elektrofahrzeuge verbrauchen, kommt bekanntlich aus der Steckdose und dieser Strom wiederum in der Regel aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Darüber hinaus ist die Entsorgungsfrage der Batterien nicht gerade ein ökologischer Pluspunkt für die Elektroautos. Und auch die Speicherung von Wind- und Solarkraft mittels Autobatterien birgt ihre Risiken. Sehr schnell entstehen hier Klumpenrisiken, die das Stromnetz überlasten können.

Jedoch ist der wesentliche Vorteil der heimischen Autoindustrie, dass die Elektroautos im CO₂-Flottenverbrauch als Supercredits angerechnet werden. Es wir also so getan, als wenn sie umweltfreundlicher seien, als herkömmliche Fahrzeuge. Doch auch hier ist der Effekt zweischneidig. Denn es erlaubt den Premiumherstellern durch die Produktion von Elektrofahrzeugen, an anderer Stelle Fahrzeuge zu produzieren, die einen sehr hohen Kohlendioxid-Ausstoß ermöglichen.

Die Folge dieser staatlichen Lenkungspolitik ist der drohende Verlust der Wettbewerbsfähigkeit der Automobilhersteller. Denn sie richten ihr Handeln, ihre Investitionen und ihre Produkte nicht an den Kunden aus, sondern an den Vorgaben der Politik. Damit werden Fehlinvestitionen produziert, die andere Automobilhersteller auf dieser Welt in dieser Form nicht haben. Das Beispiel der Elektroautos zeigt, dass die Regierung nicht wissen kann, welche Produkte sich am Markt durchsetzen, also welche Autos von den Kunden künftig erwünscht werden.

Wahrscheinlich ist das Elektroauto ein totes Pferd. Die Regierung sollte schnellstmöglich davon absteigen. Es wäre für alle Seiten gut – selbst für die Umwelt.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Fuldaer Zeitung am 24.10.2015.

Photo: Stefan Stadler from Flickr (CC BY 2.0)

Von Steffen Hentrich, Referent für Gesundheitspolitik, Kommunales, Umwelt-, Energie- und Verbraucherschutzpolitik beim Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Für Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist die Energiewende unumkehrbar. Sie soll gar ein Industrialisierungsmodell sein, mit dem Deutschland der Welt demonstriert, dass der ökologische Umbau des Energiesystems auch ein ökonomischer Erfolg ist. Neben der Bundesregierung glaubt offenbar auch die überwiegende Mehrheit im Bundestag, dass die Energiewende und das energiepolitische Zieldreieck aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit vereinbar sind. Es muss nur an den richtigen politischen Stellschrauben gedreht werden. In Detailfragen mögen sich die Parlamentarier uneinig sein, ansonsten herrscht parteiübergreifender Schulterschluss.

Oberflächlich betrachtet hat die Bundesregierung beeindruckendes zu präsentieren: Ein Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern und weniger Energieverbrauch in Wirtschaft und Haushalten. Mit 25 Prozent CO2-Reduktion rühmt man sich mehr Klimaschutz erreicht zu haben als andere EU-Staaten. Weltmärkte seien geschaffen worden und deutsche Unternehmen würden dank der Energiewende ganz vorne mitspielen. Innovationen zu Hauf und eine Menge Arbeitsplätze. Einer Planerfüllung der 10-Punkte-Energie-Agenda scheint nichts im Wege zu stehen.

Doch was so solide geplant und diszipliniert umgesetzt klingt, ist in Realität der verzweifelte Versuch der Bundesregierung, die deutsche Energie- und Klimapolitik nicht so vor die Wand fahren zu lassen, dass es für jedermann offensichtlich ist. Zweieinhalb Jahrzehnte unwirtschaftliche Stromproduktion aus Erneuerbaren Energieträgern und ein kostentreibendes Zwangsregime der Energieeffizienz werden mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Hersteller von Energieanlagen und Umwelttechnik schöngeredet. Statt auf die drohende Gefahr für die Versorgungssicherheit zu reagieren, redet die Bundesregierung von der Unabhängigkeit von klimaschädlichen Energieträgerimporten. Schließlich werden zunehmend sichtbare Defizite bei der Umwelt- und Naturverträglichkeit des massiven Ausbaus mit Erfolgsmeldungen über nationale Treibhausgasminderungen überspielt.

Ursprünglich verfolgte die Förderung erneuerbarer Energieträger in Deutschland das Ziel die Innovationskraft der Energiewirtschaft zu stärken, um in absehbarer Zukunft auf klimaschädliche fossile Energieträger verzichten zu können. Doch bald zeigte sich, dass die wettbewerbsferne Förderung durch das EEG ein Innovationshemmnis ist und die Anschubfinanzierung eine Dauersubvention auf unabsehbare Zeit ist. Zweifellos hat es erhebliche Kostensenkungen bei den jeweils geförderten Energieträgern gegeben, die einen immer schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energieträger attraktiv gemacht haben.

Doch die selektive Förderung einzelner Technologien hat die Entwicklungs- Innovationsfähigkeit des gesamten Energiesystems faktisch reduziert. Zum einen wurde der Wettbewerb um die kostengünstigste Technologie der Energieumwandlung außer Kraft gesetzt, zum anderen können Innovationspotentiale zur Optimierung des Gesamtsystems Energieumwandlung, Energieverteilung und Energienutzung mangels Rentabilität nicht ausgeschöpft werden. Innovationen konzentrieren sich lediglich auf einen kleinen Ausschnitt möglicher technologischer Neuerungen, der Markt hat durch die EEG-Förderung und nahezu bedingungslose Zwangseinspeisung des Stroms aus erneuerbaren Energieträgern seine Funktion als Selektionsmechanismus der besten Ideen verloren. Mehr als zwei Jahrzehnte der Förderung erneuerbarer Energieträger haben nicht ausgereicht die Nutzung erneuerbarer Energie zur Marktreife zu bringen. Mit ihnen kann man Subventionen, aber kaum echte Markterlöse gewinnen.

Das ist in Deutschland angesichts der natürlichen Ausgangsbedingungen nicht weiter verwunderlich. Die Energieeinstrahlung der Sonne reicht beim gegenwärtigen Stand der Technik nicht aus Solarstrom im großen Maßstab zu konkurrenzfähigen Preisen zu produzieren. Dank des Protektionismus der EU, der u. a. mit einem Antidumpingzoll auf Photovoltaikmodule aus kristallinem Silizium und Schlüsselkomponenten die Preise für Photovoltaikanlagen künstlich hoch hält, kommen Effizienzgewinne weder bei den privaten Verbrauchern, noch bei der Wirtschaft an. Im dicht besiedelten Deutschland gibt es zu wenige windhöffige Standorte für wettbewerbsfähig zu betreibende Windkraftanlagen. Auf offener See im Norden Deutschland ist zwar viel Platz und reichlich Wind verfügbar, doch hat man dort mit hohen Installationskosten, schwierigen Betriebsbedingungen und fehlenden Netzanbindungen zu kämpfen. Ähnliches gilt für die energetische Nutzung der Biomasse, deren Inanspruchnahme umfangreicher landwirtschaftlicher Nutzflächen nicht nur in Nutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht, sondern neben ökonomischen auch erhebliche ökologische Lasten verursacht.

Hinzu kommen die hohen Systemkosten, die aufzuwenden sind, um eine Integration der erneuerbaren Energieträger in den deutschen Energiemix zu tragfähigen Kosten zu gewährleisten. Die Umwandlung von Energie aus erneuerbaren Energieträgern ist an die unmittelbare Verfügbarkeit der Energieträger gebunden und kann nicht dem Ort des Verbrauchs folgen, weshalb erhebliche Investitionen in den Energietransport notwendig sind. Ebenso wenig lassen sich Wind- und Solarstrom ohne aufwändige Speicherung an das Verbrauchsprofil von Haushalten und Wirtschaft anpassen. Dadurch müssen erhebliche konventionelle Kraftwerkskapazitäten vorgehalten werden, um die Stromschwankungen auszugleichen. Das erhöht die Kosten der Energiewende über die reinen Kosten der Förderung durch das EEG hinaus. Auch für unsere europäischen Nachbarn wird die Energiewende inzwischen zur Belastung, da der häufig überschüssige Strom aus Windkraft und Solarenergie über deren Netze fließt und dort Engpässe verursacht und die Auslastung von Kraftwerkskapazitäten beeinträchtigt. Eine 2013 von Siemens veröffentlichten Studie schlussfolgerte, dass eine räumliche Optimierung des Ausbaus der Solar- und Windenergieanlagen über ganz Europa Kosten von 45 Mrd. Euro einsparen würde.

Der überstürzte Ausstieg aus der Kernenergie hat diese Problematik erheblich verschärft. Grundsätzlich sind Kernkraftwerke sehr gut geeignet für den Ausgleich der schwankenden Stromversorgung aus erneuerbaren Energieträgern zu sorgen. Die vermeintlich schlechte Regelbarkeit ist ein Mythos, der gern von Kernkraftgegner in Feld geführt wird. Die wachsende Kapazitätslücke durch neue konventionelle Kraftwerke geschlossen werden. Damit erhöht sich Deutschlands zukünftige Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Niedrige Kohlepreise stellen derzeit sicher, dass diese Aufgabe vergleichsweise alten Kohlekraftwerken anheimfällt. Was den Ausbau neuer, effizienter und emissionsarmer konventioneller Kraftwerke betrifft, herrscht in der Energiewirtschaft allerdings Investitionszurückhaltung. Unter den gegebenen, äußerst unsicheren energiepolitischen Rahmenbedingungen ist nicht gesichert, ob ein wirtschaftlicher Betrieb neuer, hocheffizienter Kohle- und Gaskraftwerke überhaupt möglich ist. Durch das EEG geförderter Anlagen bieten zu konkurrenzlos günstigen Preisen ihren Strom am Markt an, sodass es schwierig ist die Fixkosten neuzubauender Kraftwerke zum Marktpreis zu decken. Aus diesem Grund wird von Teilen der Energiewirtschaft schon seit längerem die Einrichtung so genannte Kapazitätsmärkte durch den Staat gefordert, auf denen nicht nur das tatsächliche Stromangebot, sondern auch das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten vergütet wird. Solche Kapazitätsmärkte laufen jedoch Gefahr langfristig der Förderung erneuerbarer Energieträger einen eine weitere marktfremde Regulierung hinzuzufügen.

Für die Stromverbraucher zieht diese Situation hohe und in der Zukunft weiter steigende Strompreise und einen ebenfalls mit wirtschaftlichen Risiken verbundenen Verlust an Versorgungssicherheit nach sich. Schon heute belastet die EEG Umlage den Strompreis mit durchschnittlich mehr als sechs Cent, ein Ende des Anstiegs ist bei den derzeitigen Ausbauzielen der Bundesregierung nicht abzusehen. Nur durch eine Befreiung bzw. deutliche Entlastung von der EEG-Umlage lässt sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft noch sichern. Dies erhöht jedoch die Kostenbelastung der privaten Haushalte und Gewerbebetreibenden zusätzlich und verursacht erheblichen verteilungspolitischen Sprengstoff. Den Bürgern und kleinen Gewerbetreibenden lässt sich immer schwerer vermitteln, dass sie zum Erhalt Deutschlands als Wirtschaftsstandort die Last des EEG für energieintensive Unternehmen mittragen müssen. Ein Resultat der Kostenspirale ist die drohende Energiearmut einkommensschwacher Haushalte.

Ernstzunehmende Reformen, die einen Ausweg aus dieser Situation weisen, hat die Bundesregierung bislang nicht in Angriff genommen. Die Umstellung der Pauschalförderung durch das EEG auf eine nunmehr verpflichtende Direktvermarktung mit leitender Marktprämie für Anlagen mit einer Kapazität über 100 kW ist nicht viel mehr als Kosmetik. Zwar bietet sie Anreize den Strom aus erneuerbaren Energien besser am Verbrauch auszurichten, ändert aber nichts an der grundsätzlich wettbewerbsfremden Förderpolitik. Die Marktintegration bleibt unvollständig, solange die Marktpremiere „gleitend“ ist und nicht als fester Bonus oder Investitionskostenzuschuss zum erzielten Strompreis gezahlt wird. Wegen der weitgehenden Erlösgarantie nimmt der Betreiber den Börsenpreis nur stark gedämpft war, sodass dieser kein hinreichendes Signal für Investition und Produktionsentscheidungen ist. Nach wie vor gibt es keinen Wettbewerb um den günstigsten Strom aus erneuerbaren Energieträgern und der Ausbau erneuerbarer Energieträger richtet sich nicht nach dem Kapazitätsbedarf des Energiemarktes. Statt sich an den Bedürfnissen der Energieverbraucher und des Marktes auszurichten legt die Bundesregierung jährliche Ausbaukorridore für Windenergie und Fotovoltaik fest. Dem unbedingten Willen zur Planerfüllung ordnet die Energiepolitik ihre eigentliche Aufgabe, die Rahmenbedingungen für leistungsfähige Energiewirtschaft zu gestalten, unter.

Mit der Streichung aller Förderboni für neue Anlagen und des Grünstromprivileg soll zwar auch das EEG verschlankt werden, doch auch weiterhin erhalten kleinere Anlagen eine höhere Förderung als größere. Der Wegfall der Managementprämie für die Direktvermarktung wird durch eine Anhebung der anlegebaren Preise kompensiert, dürfte also auch kaum Kostensenkungspotenzial bieten. Ebenso wenig wird die von der Bundesregierung begonnene Ausschreibung für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen erhebliche Kosteneinsparungen bringen. Statt fester Fördersätze soll es zukünftig einen Wettbewerb um die Fördersätze geben. Eine erste Pilot-Ausschreibung zeigte jedoch, dass das komplizierte und an vielerlei Voraussetzungen gebundene Ausschreibungsverfahren zu Fördersätzen führt, die im Mittel sogar höher als die zur Zeit nach dem EEG geltenden administrativen Fördersätze liegen. Da bereits vorab bestimmte Standorte ausgeschrieben werden, wird es auch keinen Wettbewerb um eine Nutzung der kostengünstigsten Standorte für die Anlagen geben. Es ist in absehbarer Zeit also nicht zu erwarten, dass die Förderkosten durch die als EEG-Reform bezeichneten Maßnahmen der Bundesregierung sinken.

Nach Ansicht ihrer Protagonisten sollte die Energiewende in erster Linie den Klimaschutz voranbringen. Aber auch hier kann die Energiewende als gescheitert angesehen werden. Aufgrund der unzureichenden Berücksichtigung des Ausbaus erneuerbarer Energieträger in den Emissionsbudgets des europäischen Emissionshandels führen die Minderimmissionen in Deutschland zu keiner absoluten Emissionsminderung in Europa, sondern lediglich zu einer weiteren Reduzierung der Marktpreise für Emissionsrechte. In Deutschland teuer erkaufte Minderungen der CO2-Emissionen erlauben europäischen Kraftwerksbetreibern kostengünstige Mehremission. Denselben paradoxen Effekt verursachen im Übrigen auch die vielfältigen Maßnahmen zur Senkung des Stromverbrauchs. Mit hohem Aufwand erzielte Einsparungen des Stromverbrauchs Deutschland machen mit CO2-Emissionen verbundene Mehrverbräuche in anderen EU-Ländern wirtschaftlich attraktiver. Ein derartiges Versagen in der Klimapolitik konterkariert den Anspruch Deutschlands auf einen Vorreiter in der internationalen Klimaschutzpolitik. Statt der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass durch besonnene Klimaschutzziele und marktkonforme Klimaschutzinstrumente eine wirtschaftlich tragfähigere Klimapolitik möglich ist, demonstriert die Bundesregierung der Welt, dass es bereit ist den wirtschaftlichen Erfolg des Landes und die Lebensqualität seiner Bürger dem Dogma Energiewende zu opfern. Wie die festgefahrenen Klimaverhandlungen belegen, wird das nur wenige Nationen zum Nacheifern motivieren. Stattdessen wächst der Anreiz klimapolitische Vereinbarungen nicht allzu ernst zu nehmen und die in Europa nicht mehr wettbewerbsfähige energieintensive Industrie mit offenen Armen zu empfangen.

Wie könnte die liberale Antwort auf die Energiewende der Bundesregierung lauten? Eine vernünftige Energiewende, die Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit in sich vereint, vertraut auf die Kräfte des Marktes und sorgt lediglich für Rahmenbedingungen, mit denen klimaschonende technologische Innovationen in den Markt gedrängt werden. Prinzipiell ist der europäische Emissionshandel in der Lage ausreichend Anreize zur effizienten Emissionsminderung zu setzen. Hier gilt es den Emissionshandel auf möglichst weite Bereiche des Energiemarktes auszudehnen und klare klimapolitische Ziele zu definieren, die den Unternehmen eine verlässliche und zugleich flexibel umsetzbare Orientierung bieten. Das bedeutet aber auch, die Emissionsminderungsziele nach Kosten-Nutzen-Überlegungen dem Stand der Klimaforschung anzupassen, statt sie zu langfristigen politischen Setzungen zu machen, die nicht mehr hinterfragt werden dürfen. Eine für die Wirtschaft verlässliche Klimapolitik bedeutet nicht die Zementierung von Emissionsminderungszielen, vielmehr geht es um stabile Marktregeln an denen sich die Unternehmen langfristig orientieren können.

Eine klimapolitisch motivierte Detailsteuerung des Energiemarktes ist daher ebenso wenig notwendig, wie die Verfolgung sektoraler und technologischer Einzelziele, etwa durch technologiespezifische Emissionsauflagen oder Effizienzziele für einzelne Branchen oder Unternehmen. Die Förderung der erneuerbaren Energieträger erfolgt im Rahmen der Klimapolitik in dem Maße, wie deren Emissionsminderungen zu einer effizienten Reduktion von Klimagasen beitragen. Nationale Förderprogramme wie das EEG sind hier kontraproduktiv und daher schnellstmöglich zu beenden. Bevor diese Ursache der vielfältigen energiewirtschaftlichen Probleme nicht beseitigt ist, sollte der Staat auch darauf verzichten die Symptome der Energiewende mit hohem Aufwand zu behandeln. Bei der Einführung von Kapazitätsmärkten und dem Netzausbau ist energiepolitische Zurückhaltung ratsam und Veränderungen sind so zu implementieren, dass sie unter neuen energiewirtschaftlichen Bedingungen rasch wieder revidiert werden können. Neue Regulierungen und weiteres finanzielles Engagement des Staates auf Kosten der Bürger sind die falsche Antwort auf das Versagen der Energiewende.

Photo: *saipal from Flickr (CC BY 2.0)

Viele Deutsche sind gerade im Urlaub. Diese Zeit der Entspannung ist sicherlich ein guter Anlass, die Seele ein wenig baumeln zu lassen. Dafür gibt es gute Gründe – nicht nur im Blick auf das eigene Leben, sondern auch im Blick auf unsere ganze Welt.

Wir brauchen keine Untergangspropheten

Alles wird immer schlimmer. Das wusste schon der gute alte Platon vor 2500 Jahren. Auch wenn er in der ein oder anderen Frage auf kurze Sicht richtig lag mit seiner Prophezeiung, so zeigen die letzten zweieinhalb Jahrtausende in der Rückschau doch, wie sehr er daneben lag. Dennoch hat leider sein Pessimismus all die Jahrhunderte im kollektiven Gedächtnis überdauert. Vielleicht haben wir Menschen einfach eine Schwäche für Horrorszenarien. Die großen Hollywood-Blockbuster sind ja häufig auch Katastrophenfilme. Platons morbide Lust an Verfallstheorien ist jedenfalls nach wie vor ein prägendes Element im öffentlichen Diskurs.

Die Debatte um das Waldsterben etwa versetzte in den 80er Jahren die Massen in Aufruhr. Bald, so konnte man den Eindruck haben, würde ganz Europa aussehen wie das Bitterfeld der DDR. Natürlich war es gut und richtig, dass in der Folge der zunehmenden Umweltschäden mehr auf den Schutz der Natur geachtet wurde. Wir können froh sein, dass die meisten Menschen hierzulande die satten Flussauen und reichen Wälder, die sanften Hügel und klaren Seen lieben und darauf schauen, dass diese Natur erhalten bleibt. Um das zu erreichen, braucht man aber keine Untergangspropheten, sondern Menschen, die sich das Anliegen zu Eigen machen.

Konstruktive Kritik ist gefragt

Man könnte natürlich argumentieren, dass die Untergangspropheten notwendig sind, um auf ein Problem überhaupt erst einmal aufmerksam zu machen. Damit tut man ihnen jedoch zu viel der Ehre an. Selbstverständlich gibt es immer mal wieder neue Probleme, auf die mit einer gewissen Schärfe und Lautstärke hingewiesen werden muss, damit sie überhaupt wahrgenommen werden und ein ernsthafter Diskurs über ihre Lösung beginnen kann. Es braucht Mahner und Warner. Aber deutliche Kritik kann durchaus auch mit einer positiven und konstruktiven Haltung geäußert werden. Man kann auf ein bestimmtes Problem hinweisen, auch ohne es als ein Vorzeichen des nahenden Weltuntergangs zu deuten.

Wer immer gleich den großen Teufel an die Wand malt, macht damit nämlich gleich mehrere Fehler: Er macht sich im öffentlichen Diskurs irgendwann lächerlich, wenn seine Zusagen nicht eintreffen. Das kann dann unter Umständen auch seinem Anliegen nachhaltig schaden. Wenn man allzu wüst auftritt, bekommt man zwar viel Applaus von einer Seite, aber die ist in den meisten Fällen die Minderheit derer, die ohnehin schon die eigenen Überzeugungen teilen. Andere Menschen zu überzeugen, ist dann aber umso schwerer. Zuviel Schwarzmalerei geht in der Regel zu Lasten des eigenen Anliegens aus.

Die Welt wird immer besser

Der größte Fehler aber ist der, dass man sich in eine Stimmung des Pessimismus hineinsteigert, die schleichend von einem Besitz ergreift und alle Initiativkräfte lähmt. Wenn die nahende Katastrophe unabwendbar erscheint, dann lässt unser Wille nach, noch etwas zu verändern. Dann geben wir auf und werden zu notorischen Jammerlappen. Der Fortschritt, den die Menschheit zweifellos seit Platons Zeiten gemacht hat, verdankt sich aber denen, die mit Zuversicht in die Zukunft sehen; die Probleme als Chance und Herausforderung verstehen.

Die amerikanische Nachrichten-Seite Vox hat vor kurzem eine Zusammenfassung von elf Statistiken und Karten veröffentlicht, die sie unter die Überschrift „Die Welt wird immer besser“ gestellt hat. Von der steigenden Lebenserwartung bis zu der abnehmenden Zahl bewaffneter Konflikte, vom Rückgang der Armut bis zur immer weiter verbreiteten Schulbildung zeigt sich überall ein erstaunlicher Fortschritt. Das Leben von Milliarden von Menschen verbessert sich kontinuierlich (insbesondere dank der Globalisierung, die ja auch gerne von den Untergangspropheten als Katastrophe dargestellt wird). Platons Schwarzmalerei ist durch die Fakten höchst eindrücklich widerlegt.

Die Fähigkeit zur Anpassung und Optimierung, die uns als Menschen auszeichnet

Diese erfreuliche Bilanz entlässt uns nicht aus der Pflicht, uns für weitere Verbesserungen einzusetzen. Aber wir sollten etwas entspannter der Zukunft entgegen sehen. In diesen Wochen liegen manche von uns am Strand in Spanien, manche sitzen in einem Café in Paris oder in Krakau und manche wandern entlang einem norwegischen Fjord. Nehmen wir doch ein wenig von der Entspannung, die wir dort erfahren können, mit in den Alltag nach dem Urlaub. Sehr vieles spricht dafür, dass keines der Probleme, mit denen wir so konfrontiert werden, in den Weltuntergang führen wird. Ganz im Gegenteil: es wird die Optimisten unter uns dazu bringen, neue Ideen zu entwickeln. Ist es doch gerade die Fähigkeit zur Anpassung und Optimierung, die uns als Menschen auszeichnet.

Dem Fatalismus Platons kann, ja muss man den Geist des Sokrates entgegenstellen, den der Philosoph Karl Popper in seinem Werk „Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde“ beschreibt:

„Und da war Sokrates, vielleicht der größte unter ihnen, der lehrte, dass wir der menschlichen Vernunft vertrauen, uns aber zur gleichen Zeit vor dem Dogmatismus hüten müssen, dass wir uns in gleicher Weise von … dem Misstrauen gegen die Theorie und die Vernunft, und von der magischen Haltung derer fernhalten sollten, die aus der Weisheit ein Idol zu machen trachten. Mit anderen Worten, Sokrates lehrte, dass der Geist der Wissenschaft in der Kritik besteht.“

In enorm hoher Frequenz werden derzeit unterschiedliche Katastrophen-Säue durchs Dorf gejagt. Aufregung ist das Gebot der Stunde. Ausgerechnet jener Teil des politischen Spektrums, dessen Ahnen einst in der Springer-Presse den Hauptfeind ausgemacht hatten, bringen ihre Anliegen derzeit fast nur noch in der Diktion der Bild-Zeitung vor. Die Aktivisten von Campact zum Beispiel befinden sich derzeit in mehreren Entscheidungsschlachten: „Gentechnik-Verbot bundesweit!“ – „Herr Gabriel, Kohlekraft abschalten!“ – „Fracking stoppen: Rettet unser Trinkwasser!“ Mit anderen Worten: Keine Optimierung von Lebensmitteln! – Strom viel teurer machen! – Öl und Gas dann aber bitte auch teurer!

Die wenigsten Menschen wollen vorsätzlich der Umwelt schaden. Sauberes Wasser, saubere Luft und Tierschutz sind ja nun wirklich Umstände, die fast jedem ein Anliegen sind. Solche Ziele absolut zu setzen, ist jedoch auch äußerst weltfremd. Wie so oft im Leben, sind auch diese Dinge nicht umsonst zu haben. Bei aller Sorge um unsere Umwelt darf man nicht die Menschen aus dem Blick verlieren. Besserverdiener können sich vielleicht höhere Strompreise oder teurere Lebensmittel leisten. Für Studenten, Geringverdiener, Rentner und Arbeitslose sind die Zusatzkosten kaum zu stemmen, die sich durch den gedankenlosen Aktionismus und Alarmismus von Organisationen wie Campact ergeben.

Es ist richtig und wichtig, Fragen des Umweltschutzes anzugehen und ernst zu nehmen. Wir wollen unseren Kindern nicht eine weniger lebenswerte Welt hinterlassen. Das darf aber nicht durch hysterische Rufe nach Verboten geschehen. Sonst schaden wir gerade den weniger Wohlhabenden in unserer Gesellschaft nachhaltig. Stattdessen müssen wir nach intelligenten Lösungen für die Probleme suchen. Kein Lebewesen auf dieser Erde ist so anpassungsfähig wie der Mensch. Wesensmerkmal dieser Anpassungsfähigkeit ist aber gerade das Vertrauen auf den Fortschritt. Menschen wollen ein besseres Leben führen, darum suchen sie nach Lösungen. Nichts anderes ist Fortschritt.

Die Männer und Frauen, die Katalysatoren, Kanalisationssysteme und Solarmodule erfunden haben, haben nach Lösungen gesucht anstatt auf Verbote zu bauen. Das ist die menschliche Variante. Die Dagegen-Grundhaltung der Hysterie-Industrie ist die unmenschliche Variante. Lassen wir die Träumereien von der guten alten Steinzeit. Bauen wir lieber auf eine Zukunft, in der Menschen sauberes Wasser und genug Nahrung haben; in der es den Hühnern besser geht und der Rentner noch genug Geld zum Leben hat; in denen wir die Ressourcen unseres Planeten nutzen und weltweit mehr Wohlstand herrscht. Strengen wir unsere Gehirne an – dazu sind sie da!

Photo: Richard Baer from Flickr