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Was die Vermögensbildung betrifft, haben die Deutschen ein Trauma: Das Telekom-Trauma. 1996 privatisierte der Bund das Staatsunternehmen in mehreren Schritten. Begleitet wurde dies von einer breiten Werbekampagne, deren Gesicht der Schauspieler Manfred Krug war. Krug war populär und spielte in der ARD-Serie „Liebling Kreuzberg“ über viele Jahre einen schnoddrigen Berliner Anwalt.

Die T-Aktie sollte zu einer Volksaktie werden, die die Deutschen endlich vom unrentierlichen Sparbuch abbringen sollte. „Die Telekom geht jetzt an die Börse. Da geh‘ ich mit!“, war der griffige Slogan. Mit umgerechnet 14,57 Euro startete der Kurs am 18. November 1996. Im März 2000 lag er bei 102,80 Euro, um dann nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der Finanzkrise auf unter 8 Euro abzustürzen. Seitdem spielt die Aktie bei vielen Kleinanlegern und Altersvorsorgesparern keine Rolle mehr. Trotz der Tatsache, dass sich der Kurs der Telekom-Aktie seitdem wieder mehr als verdoppelt hat. Er liegt aktuell bei 16,55 Euro (19.02.2020).

Sicher gibt und gab es in Deutschland bessere Aktien als die Deutsche Telekom. Aber auch die Telekom hat sich für die Anleger gerechnet, die nicht einmalig auf ein Pferd gesetzt, sondern dies regelmäßig getan haben. Wer seit dem Börsengang der Telekom jedes Jahr 1.000 Euro investiert hat, konnte Ende letzten Jahres ein Vermögen von 38.480 Euro in seinem Depot verwahren. Dies entspricht einer jährlichen Kurs-Rendite von 3,9 Prozent. Hinzu kommt eine Dividendenrendite, die im Durchschnitt bei 4 Prozent lag. Zusammen haben Anleger, die regelmäßig und langfristig in die T-Aktien investiert haben, im Durchschnitt also 7,9 Prozent pro Jahr erzielt. Das ist nicht schlecht für eine Volksaktie, die im Langzeitgedächtnis der Deutschen ein so schlechtes Image hat.

Heute halten nicht einmal 20 Prozent der Bürger in Deutschland Aktien oder Fonds. Dabei ist die Aktie langfristig die mit Abstand erfolgreichste Anlageklasse. Wer in den letzten 20 Jahren regelmäßig in den Deutschen Aktienindex investiert hat, konnte eine durchschnittliche Rendite von 8,8 Prozent pro Jahr erzielen. Ein Sparer, der seit 1977 jeden Monat 25 Euro in einen Investmentfonds einzahlt, der den Deutschen Aktien Index abbildet, hätte bei einer für diesen Zeitraum durchschnittlichen Rendite von 8,3 Prozent ein angespartes Vermögen von 103.000 erzielt. Wer es im langfristigen Durchschnitt zu einem Prozent aufs Sparbuch legt, hätte 15.650 Euro (also 87.350 Euro weniger) erzielt. Und auch eine Lebensversicherung, die vielleicht im Durchschnitt die Beiträge mit 3 Prozent verzinst, käme lediglich auf 25.200 Euro (77.800 Euro weniger).

Wer sich heute auf die gesetzliche Rente verlässt, akzeptiert die Armut im Alter – Grundrente hin oder her. Wer aber die Möglichkeit hat, regelmäßig zu sparen, dem droht ebenfalls die Altersarmut, wenn er falsch spart. Wer nämlich in die Schulden des Staates investiert, der spart falsch. Denn diese Schulden werden auch künftig keine oder nur eine geringe Verzinsung abwerfen.

Wichtig ist, sich von dem Irrglauben zu lösen, dass sich der Vermögensaufbau statisch entwickelt und man sich dabei auf den Staat verlassen kann. Menschliches Handeln ist der Ursprung von Veränderung. Es ist jenseits der menschlichen Macht, sie zu stoppen und ein Zeitalter der Stabilität herbeizuführen, in dem die ganze Geschichte zum Stillstand kommt. Es liegt in der Natur der Menschen, nach Verbesserungen zu streben, neue Ideen zu erdenken und die Bedingungen seines Lebens nach diesen Vorstellungen zu ordnen. Dieses System nennen wir Marktwirtschaft. Wer dagegen sein Geld in Schuldverschreibungen des Staates anlegt, der vergöttert den Staat, der einem väterlich Hilfe verspricht, aber langfristig versagt. Denn der Staat kann keine höhere Verzinsung oder Rendite bieten als es der Markt kann. Seine Minderleistung rechtfertigt der Staat mit seiner fast unbegrenzten Kreditwürdigkeit als Schuldner. Doch diese Illusion gilt es zu überwinden: Denn der Markt mag volatil sein und seine Launen haben – er hat aber auch seine Dynamiken, die langfristig nach oben zielen. Die Statik des Staates dagegen wirkt zwar bodenständig und stabil, ist aber vor allem zäh und bisweilen näher am Treibsand als am Granit.

Erstmals erschienen bei Tichys Einblick.

1 Antwort
  1. Ralf Becker
    Ralf Becker sagte:

    Spiegel am 24.12.2013
    Das globale Geldvermögen vermehrt sich immer schneller. Im vergangenen Jahr wuchs es um mehr als acht Prozent – auf insgesamt 111 Billionen Euro.

    Welt am 02.01.2018
    Der Geldbestand der Deutschen ist erstmals über sechs Billionen Euro gestiegen.

    Jedenfalls kaufen die Deutschen auch sehr viele Staatsanleihen oder sie haben ein Sparbuch, weil sie ihr Vermögen einfach nur sicher anlegen wollen.

    Dies ist jedoch insofern problematisch, weil das viele Sparen ein Nullsummenspiel ist, zumal beim derzeitigen Geldsystem Sparguthaben nur mit nicht abbaubaren Schulden anderer Personen möglich sind.

    heise am 15.11.2010
    Ist die Tilgung der deutschen Staatsschulden möglich?
    „“Schließlich wurde zu allen Zeiten die Verschuldung der öffentlichen Hand damit begründet, Wirtschaftswachstum und damit steigenden Wohlstand zu stimulieren.““

    Tagesspiegel am 06.03.2010
    Generationenkonflikt
    Doppelte Schuld
    „“Die Neuverschuldung des Bundes liefert brutale Erkenntnisse. Diese Schulden wird keiner mehr abzahlen können. Doch es ist nicht allein die Schuldenlast, die kommenden Generationen zu schaffen macht.““
    „“Faktisch wird der Gestaltungsspielraum immer enger. Geld wird mehr und mehr für Zinsen, Schuldentilgung, Pensionen und Renten ausgegeben werden müssen.““

    Hans-Böckler-Stiftung 06/2013
    Krisendiagnose
    WIE DAS GELD MITREGIERT
    Was ist das für ein Staat, der sich von den wohlhabenden Bürgern Geld pumpt, anstatt sie adäquat zu besteuern?

    Dann versteckt der Staat seine vielen Schulden etwa in Öffentlich-privaten Partnerschaften.

    Focus am 11.07.2030
    Was Ihnen alle Politiker verschweigen: Ab 2030 explodieren Deutschlands Schulden

    Außerdem buhlen die Geldhäuser ständig um die Gunst der Reichen. Aber die Gewinne brechen trotzdem immer mehr weg.

    Zurzeit kommt das Finanzsystem eben auch durch den Corona-Virus sehr erheblich durcheinander.

    n-tv am 28. JANUAR 2020
    Mehrere Dutzend deutsche Firmen vom Mittelständler bis zum Dax-Konzern betreiben Standorte in der vom Coronavirus am stärksten betroffenen Stadt Wuhan.
    Die Werke stehen teilweise still. Reisen nach China werden abgesagt. Die wirtschaftlichen Schäden sind noch nicht abschätzbar.

    Jedenfalls ticken im weltweiten Finanzsystem unzählige Zeitbomben.
    Die Mechanismen des Finanzsystems erklärt etwa auch Ernst Wolff.
    The Wolff of Wall Street:
    Derivate
    Die Geldschöpfung
    Die Hedgefonds
    Kreditausfall-Versicherung

    Besonders gefährlich ist auch Chinas Neue Seidenstraße, der sich Italien bereits angeschlossen hat.

    Welt am 24.03.2019
    Auf diesen Italiener ist Europa nicht gut zu sprechen
    Mit einem Händedruck besiegelt: Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Guiseppe Conte beschließen Italiens Teilnahme an Chinas „Neuer Seidenstraße“. Heiko Maas äußert gegenüber WELT seine Bedenken.

    Dies ist ein gefährlicher Pakt und Italien hat jetzt auch als erstes europäisches Land besonders viele Probleme mit dem Corona Virus.

    Bei unserem Finanzsystem ist vor allem auch die „Geldenstehung als Schuld“ vollkommen unlogisch.
    Irgendwo funktioniert unser Geld dergestalt, dass mit diesem die Möglichkeit Schulden tilgen zu können auf kaum nachvollziehbare Art und Weise hin- und hergeschoben werden.
    Ich glaube es insofern nicht, dass wir die Probleme schon dadurch beseitigen, indem wir einfach nur eine bessere Aktienkultur haben.
    Unser Geld ist einfach nur ein Schneeballsystem und wir benötigen etwas völlig anderes.

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