Photo: Roberto Nickson from Unsplash (CC 0)

Von Dr. Alexander Fink, Universität Leipzig, Senior Fellow des IREF – Institute for Research in Economic and Fiscal Issues und Fabian Kurz, Doktorand der Volkswirtschaftslehre.

In den unterschiedlichsten Bereichen des Klimawandels können Marktinstrumente helfen; oft sehr viel besser als zentrale Steuerung: Indem sie organisieren und versichern, abmildern und anpassen, indem sie Innovation fördern und Krativität belohnen.

Klimaforscher warnen eindringlich vor den möglichen Folgen des menschenverursachten Klimawandels. Eine erhöhte Durchschnittstemperatur macht Extremwetterereignissse wie Dürren und Fluten wahrscheinlicher und der Anstieg des Meeresspiegels bedroht heute besiedelte Küstenregionen. Die internationale Politik hatte sich zunächst darauf verständigt, die Erderwärmung auf durchschnittlich 2 Grad bis zum Jahr 2100 zu begrenzen. Auf der Klimakonferenz in Paris hat sie das Ziel auf 1,5 Grad verschärft. Ob die Klimaziele erreicht werden, ist jedoch fraglich. Angesichts aktueller Prognosen ist es Zeit, nicht nur Emissionsvermeidungen voranzutreiben, sondern auch über Möglichkeiten des Umgangs mit den Folgen des Klimawandels zu diskutieren.

Märkte spielen dabei abseits der Bepreisung schädlicher Emissionen durch Emissionshandelssysteme eine entscheidende Rolle, denn sie können die Anpassung an den Klimawandel deutlich erträglicher machen. Preissignale geben Hinweise auf notwendige Anpassungen, internationale Handelsmöglichkeiten machen Änderungen der Produktionsstrukturen weniger schmerzhaft, entwickelte Märkte helfen beim Umgang mit finanziellen Risiken. Außerdem befördert eine marktwirtschaftliche Ordnung den Wohlstand, der den Einsatz zusätzlicher Ressourcen und Technologien im Umgang mit den Folgen des Klimawandels erst ermöglicht.

Klimaziele (zu) ambitioniert?

Die Schüler von Fridays for Future weisen eindrücklich darauf hin: Die Welt ist weit davon entfernt, die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen. Dafür müsste weltweit der Emissionsanstieg zum Erliegen kommen und das Emissionsniveau zügig deutlich reduziert werden. Dies veranschaulichen auch Simulationen, unter anderem ein am MIT entwickeltes Modell, das auch von der US-Delegation bei Klimagipfeln benutzt wurde und nun frei im Internet verfügbar ist. Diesem Modell zu Folge wird die Erderwärmung bis zum Jahr 2100, wenn keine Maßnahmen getroffen werden, bei über 4 Grad liegen.

Um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müssten in der EU bis 2030 jährlich 3,7 Prozent und ab 2030 jährlich über 5 Prozent weniger Klimagase emittiert werden. Ähnliche Größenordnungen gelten für andere Industrieländer, etwa die USA. Dort müssten die Emissionen bis 2030 jährlich um 4,1 Prozent und bis 2050 jährlich um über 5 Prozent reduziert werden. In China müssten der Emissionshöchststand 2030 erreicht und die Emissionen ab dann jährlich um 3,4 Prozent und ab 2050 jährlich um 4 Prozent gesenkt werden. Zum Vergleich: Im Referenzszenario geht man davon aus, dass Chinas Emissionen bis 2050 jährlich um über 2 Prozent steigen werden.

Für die Gruppe der Entwicklungsländer wäre eine Reduktion ab 2030 um jährlich 3 Prozent nötig, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen. Für das Erreichen des 1,5-Grad-Ziels wäre eine deutlich stärkere Reduktion nötig, inklusive weltweiter negativer Nettoemissionen.

Bessere Anpassung mit Marktwirtschaft

Die Prognosen und die überschaubaren Erfolge vergangener Klimakonferenzen zeigen, dass das Erreichen der selbstgesteckten Ziele – Stand heute – alles andere als sicher ist. Es ist daher ratsam, auch Anpassungsstrategien an den Klimawandel ins Auge zu fassen. Marktwirtschaftliche Strukturen sind dabei ein wesentlicher Baustein.

Preise: Gefahr erkannt!

Eine wettbewerbliche Marktwirtschaft gibt Anreize für eine frühzeitige Anpassung an neue Rahmenbedingungen. Ändern sich auf Grund des Klimawandels die Nachfrage nach Produkten oder die Produktionskosten, spiegelt sich das in den jeweiligen Preisen und den Gewinnen und Verlusten der Unternehmer wider, die auf diese Signale reagieren. Sind Unternehmungen oder ganze Wirtschaftszweige nicht oder kaum Wettbewerb ausgesetzt, etwa durch staatlich privilegierte Monopolstellung, Festpreise, Zölle oder andere nichttarifäre Handelshemmnisse, können sich notwendige Anpassungen verzögern oder ganz versäumt werden.

Bessere Anpassung dank Handelspartnern

Der Klimawandel wird in manchen Regionen das Klima derart verändern, dass dort derzeit vorzufindende wirtschaftliche Aktivitäten unattraktiv werden und Ressourcen nicht weiter wie bisher eingesetzt werden können. Beispielsweise kann eine erhöhte Durchschnittstemperatur die bisher betriebene Landwirtschaft erschweren.

Zugang zu Handelspartnern – auch international – hilft Menschen in diesen Regionen. Sie können ihre Produktion weniger folgenschwer auf Waren und Dienstleistungen umstellen, deren Herstellung angesichts der neuen klimatischen Bedingungen lohnender ist. Die Umstellung von Produktionsstrukturen ist weniger schmerzhaft, weil Handelspartner die Versorgung mit Gütern sicherstellen, die vor Ort nicht mehr oder nur zu deutlich höheren Kosten hergestellt werden können. Je diverser die Handelspartner einer betroffenen Region sind, desto reibungsloser kann die Anpassung gelingen.

Märkte: Gut versichert

Hochentwickelte Märkte können auch im direkten Umgang mit Schäden durch die Klimaerwärmung helfen. Vor individuellen finanziellen Schäden durch Extremwetterereignisse kann ein funktionierender Versicherungsmarkt schützen. So ist es in Deutschland ohne weiteres möglich, sich gegen die von Stürmen verursachten Schäden am eigenen Hause oder an Produktionsstandorten zu versichern. Können sich Versicherungen ihrerseits international rückversichern, werden die Risiken noch breiter verteilt. Das Risiko eines Schadenfalls wird schlussendlich von jenen getragen, die damit am besten umgehen können, nicht von einzelnen betroffenen Haushalten oder Unternehmen.

Märkte, Wohlstand, Technologien

Grundvoraussetzung einer effektiven Anpassung ist hoher Wohlstand, den marktwirtschaftliche Strukturen helfen zu schaffen. Herrscht Wohlstand, können zusätzliche Ressourcen in die Entwicklung und den Einsatz moderner Technologien investiert werden, welche ihrerseits helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die Niederlande und Israel – beides wohlhabende marktwirtschaftlich geprägte Länder – zeigen schon heute, wie mit Hilfe moderner Technologie widrigen Umweltbedingungen getrotzt werden kann.

Klimamodelle prognostizieren einen deutlichen Anstieg des Meeresspiegels in diesem Jahrhundert. Die steigenden Fluten könnten mehrere Hundert Millionen Menschen bedrohen. Die Niederlande zeigen seit langem, wie Menschen mit alter und neuer Technik dem Meer etwas entgegensetzen können. Fast ein Drittel der Niederlande liegt heute unterhalb des Meeresspiegels. Möglich macht dies ein umfangreicher Hochwasserschutz. Die Niederlande errichtete gar einen 32 Kilometer langen Deich, der die Zuiderzee, das heutige Ijsselmeer, von der Nordsee abtrennt, um besser gegen Sturmfluten gewappnet zu sein. Auch setzen die Niederländer flexible Flutbarrieren und Speerwerke ein, die nur bei einer Sturmflut geschlossen werden, wie die Deltawerke.

Einem ganz anderen Problem sieht sich Israel gegenüber: Wassermangel. Der Klimawandel könnte insbesondere in Afrika die ohnehin schwierige Trinkwasserversorgung weiter erschweren. Dennoch ist die Lage nicht aussichtslos, wie das Beispiel Israel illustriert. Das Land ist führend in der Entwicklung und Anwendung moderner Meerwasserentsalzungsanlagen. Bis vor einigen Jahren waren Meerwasserentsalzungsanlagen als „Energiefresser“ verschrien. Tatsächlich brauchen Anlagen, die Wasser abkochen, um Wasser und Salz zu trennen über 90 Kilowattstunden Energie in Form von Strom und Wärme für einen Kubikmeter Trinkwasser. Moderne Anlagen arbeiten mit einem anderen Prinzip. Wasser wird mit hohem Druck durch Membranen gedrückt und das Salz so herausgefiltert. Diese Anlagen sind deutlich effizienter und benötigen nur noch 4 Kilowattstunden Strom. Inzwischen stammen 75 Prozent des Leitungswassers in Israel aus Meerwasserentsalzungsanlagen. Israel gewinnt nicht nur aus Meerwasser Trinkwasser, sondern recycelt auch Wasser, etwa indem es nach einer Aufbereitung für die Bewässerung der Landwirtschaft eingesetzt wird. So werden 86 Prozent der Haushaltsabwässer in der Landwirtschaft weiter genutzt.

Marktwirtschaftliche Reformen als Grundlage

In den Niederlanden und in Israel sind die Anpassungen an bedrohliche Umweltbedingungen auch gelungen, weil ihr hoher Wohlstand es erlaubt, den Herausforderungen umfängliche Ressourcen unter Einsatz modernster Technologien entgegenzustellen. Zum zugrundeliegenden Wohlstand beider Länder haben marktwirtschaftliche Strukturen maßgeblich beigetragen, die sie durch die Verfügbarkeit von Preissignalen, internationalen Handelspartnern und Versicherungsmärkten anpassungsfähig machen.

Die gute Nachricht ist, marktwirtschaftliche Reformen benötigen in der Regel nicht den Einsatz zusätzlicher Ressourcen, sondern verbessern die Verwendung vorhandener Mittel, wie in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere die ostasiatischen Tigerstaaten Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong und auch China oder nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Länder in Osteuropa eindrücklich illustriert haben.

Marktwirtschaftliche Reformen sind somit auch und gerade für arme Länder erste Wahl, um grundlegende Voraussetzungen zu schaffen, mit den Folgen des Klimawandels besser umgehen zu können. Die schlechte Nachricht ist, für eine erfolgreiche Umsetzung derartig tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen gibt es kein universelles Erfolgsrezept. Welche Maßnahmen fruchten und ob sich für sie ausreichend Unterstützung unter einflussreichen Interessengruppen finden lässt, hängt von den lokalen Begebenheiten ab. Dennoch stimmt die weltweite Entwicklung der letzten Jahrzehnte positiv. Marktwirtschaftliche und demokratische Strukturen haben sich trotz aller Widrigkeiten vermehrt durchgesetzt.

Erstmals erschienen bei IREF.

2 Kommentare
  1. Ralf Becker
    Ralf Becker sagte:

    Geld ist kein Wertgutschein, sondern etwas Ähnliches wie ein Schuldschein.

    Bekanntlich entsteht Geld bei den Kreditvergaben der Banken aus dem Nichts. Aber nicht nur das. Vielmehr schaffen Banken sogar auch ihr Eigenkapital aus dem Nichts.
    Etwa die Webseiten wallstreet-online bzw. inflationsschutzbrief erklären es, wie das geht.

    Normalbürger durften noch nie beliebig Schulden machen, aber für Regierungen gibt es für deren Schulden kein Limit und das halte ich für gefährlich. Regierungen müssen nur Schulden machen, für die es kein Limit gibt, und dann haben sie doch plötzlich Geld und sie sind damit sogar noch etwas „wettbewerbsfähiger“ geworden.

    Außerdem druckt die EZB doch seit Ende 2011 nicht sonderlich geringe Geldbeträge und Deutschlands bekannter Ökonom H. W. Sinn bescheinigt doch der Kanzlerin Realitätsverlust. Ich habe wenig Anlass diesbezüglich die Meinung von Herrn Sinn zu hinterfragen.

    Etwa Ulrike Herrmann, Wirtschafts-Redakteurin der taz, oder auch Karl Georg Zinn, stellen in entsprechenden youTube-Videos die Frage: „Markt welcher Markt?“

    Prof. Dr. Otto Steiger sagt:
    „Geld ist ein Schuldendeckungsmittel. Tauschmittel ist es nicht,…“

    H. W. Sinn behauptet in der Zeit vom 16. Februar 2016:
    „Marktwirtschaft: Effizient, aber nicht gerecht“

    Habe zudem zu KenFM „The Wolff of Wall Street: Marktwirtschaft“ vom 10. Januar 2020 einen Zusatzkommentar geschrieben, wo ich es erkläre, warum wir nur sehr eingeschränkt eine Marktwirtschaft haben.

    Was den Klimawandel betrifft, liegt es vergleichsweise nahe, dass dieser durch die weltweite Naturzerstörung verursacht wird. Schließlich gibt es bei immer weniger Natur insofern auch weniger Niederschläge.
    Es könnte aber auch andere Gründe für den Klimawandel geben, wie etwa einen Klimawandel im Weltall.
    Das zu hohe CO2 hat vermutlich aber nichts mit dem Klimawandel zu tun. Vielmehr ist es doch logisch, dass bei weniger Natur insofern weniger CO2 abgebaut wird.

    Ebenso würde eine CO2-Bepreisung ohnehin nichts bringen, weil der „Markt“ völlig anders funktioniert und weil vor allem die Ultrareichen den Klimawandel überwiegend verursachen und diese lassen sich nicht sonderlich durch eine CO2-Bepreisung beeindrucken.

    Man müsste es sich auch sehr leicht denken können, dass unser heutiges Fiatgeld keinerlei Tauschmechanismen enthalten kann, zumal es bei diesem ohnehin keine Schnittstelle zwischen Real- und Finanzwirtschaft gibt.

    Dann behauptete es die Makrokop-Redaktion am 17.03.2020:
    „Warum wir MEGA-Schulden brauchen – und Trump Recht hat“

    Hier dürfte Herr Prof. Heiner Flassbeck es zwar richtig sehen, dass das System ohne ständig neue Schulden kollabieren muss. Allerdings gibt es bei unserem fehlerhaften Schuldgeldsystem eben auch die Unmöglichkeit des späteren Schuldenabbaus, insbesondere auch hinsichtlich der fehlerhaften Geldentstehung als Schuld, weil sich das viele Geld, womit dies allenfalls möglich sein könnte, immer schneller im Besitz weniger Ultrareicher befindet, die selbst nicht mehr konsumieren.

    Unser Geld ist ein einziger Logikfehler.
    Die einzelne Geldeinheit hat zwar einen „stabilen“ Wert, aber die gesamte Geldmenge bildet die Realwirtschaft in keiner Weise ab. Vielmehr ist unser fehlerhaftes Geld- und Bankensystem „süchtig“ nach immer mehr Schulden.
    Jedenfalls kann unser Geld doch nur durch irgendwelche „Schulden“ anderer Leute gegenüber den Banken, ggf. auch durch künstlich generierte Schulden, entstehen.

    Wenn aber der Abbau dieser vielen Schulden, ohne die es auch kein Geld geben könnte, dann aber anderweitig möglich wäre, dann könnte es kein „stabiles Geld“ geben.
    Vermutlich sollen wohl unsere vielen Schulden einfach nur die Geldmenge „verknappen“, weil Geld doch schließlich deshalb einen Wert hat, weil es knapp ist.
    Vor allem gönnen sich doch unsere Politiker, selbst diejenigen der Linken, mehr als üppige Diäten.
    Außerdem ist es doch mehr als komisch, dass immer dieselben Politiker der Linken im Bundestag sitzen, obwohl sie doch praktisch gar keine Themenarbeit leisten.
    Vor allem ahnen die Politiker der Linken es gar nicht, dass wir derzeit Probleme haben, die vor allem nicht von Nationalstaaten im Alleingang gelöst werden können.
    Vielmehr fordern die Linken etwa die Lockerung der Schuldenbremse.

    Jedenfalls schrieb doch die Welt am 30.11.2014:
    „Das undurchsichtige Stasi-Geflecht der Linken“
    Die Linke hat das meiste Geld und die Wähler verstehen die politischen Inhalte nicht.

    Gleichzeitig fordern doch viele Politiker, auch von der FDP, Hartz IV-Sanktionen für ihre Mitbürger. Wer nicht arbeitet, soll nach Auffassung von ehemaligen Politikern wie etwa Franz Müntefering, insofern nicht essen.

    Aber unsere vielen Schulden, insbesondere infolge der fehlerhaften Geldentstehung, führen eben auch dazu, dass wir mit der Zeit immer mehr für fremde Profite arbeiten müssen. Geld wird mit der Zeit immer mehr zum Zwang und zur Illusion.
    Etwa die in 2013 verstorbene Geldexpertin Margrit Kennedy erklärt es in diversen Medien vergleichsweise gut, wo die Schwachstellen unseres heutigen Geldes liegen.

    Als Laie würde man die Besonderheiten unseres Geldes gar nicht kennen.

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  2. Claus Eisgruber
    Claus Eisgruber sagte:

    Der Artikel über marktwirtschaftlichen Klimaschutz ist vom Inhalt her sehr schön behandelt aber nicht die wichtigste Frage: Wie bekommt man für marktwirtschaftliche Instrumente wie Emissionspreise oder ein Zertifikatesystem eine politische Mehrheit.

    Die Ideen dazu sind uralt. Über handelbare Emissions-Zertifikate als effizientes marktwirtschaftliches Mittel habe ich als erste in einem lange Essay von Holger Bonus in „die Zeit“ in den 80er Jahren gelesen. Die Idee politisch festgelegter Preise für Emissionen und andere externe Effekte wird A.C. Pigou zugeschrieben, der den Gedanken in den 20er Jahren entwickelt hat. Schon im 18 Jh. hat sich Adam Smith mit dem Problem der Allmende beschäftigt. Sind Eigentumsrechte an einer natürlichen Ressource (zu Smiths Zeit betraf das vor allem Land und Bodenschätze) nicht klar definiert und handelbar dann führt das so Smith zu Raubbau. Die Atmosphäre als Müllhalde für Treibhausgase ist nichts anderes als eine Allmende im Sinne von Smith. Die ökonomischen Tatsachen sind also wissenschaftlich schon seit langem klar.

    Fakt ist aber auch, dass wir in einer Demokratie die öffentliche Meinung nicht ignorieren können und die Bevölkerung hasst marktwirtschaftliche Instrumente, ganz besonders beim Umweltschutz. Die Idee „Verschmutzungsrechte“ kaufen zu können und mit ihnen an Börsen handel zu treiben findet die große Mehrheit empörend. Umweltschutz per Portemonnaie ist für die Bevölkerung reine Abzocke. Anstatt mittels eines CO2 Preises Treibstoff zu verteuern ist es nach weitaus überwiegender Ansicht viel sinnvoller das „Übel an der Wurzel“ zu packen und den Autokonzernen endlich den Bau umweltfreundlicher Autos vorzuschreiben. Die Industrie, die in der Hand geldgieriger Kapitalisten die Umwelt zerstört, muss durch Gebote und Verbote gezähmt werden. So denken die Leute und ich sehe nicht wie man daran etwas ändern könnte. Wie viele studieren denn Economics? Die in Deutschland tonangebenden Eliten und engagierten Bürger kommen eher aus kirchlichen Kreisen oder Umweltgruppen. Lesen sie doch bitte mal die Veröffentlichungen eines Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Das sind hochgebildete Leute und alle gegen marktwirtschaftliche Methoden.

    Ausserdem: Würde man Klimaschutz nur mit marktwirtschaftlichen Mitteln betreiben dann würden die Unternehmen kreativ werden um mit möglichst geringen Kosten Emissionen zu reduzieren. Die vom Gesetzgeber festgelegten Zukunftstechnologien sind aber oft sehr teuer und reduzieren die Emissionen vergleichsweise wenig. Das gilt für die meisten im Erneuerbare-Energien-Gesetz geförderten Technologien. Genauso gilt das für die im Erneuerbare -Wärme-Gesetz geforderten Maßnahmen. Man rechne doch mal aus wie viel Erdgas eine Solaranlage im Schnitt spart und rechne dagegen wie viel sie kostet. Batterie betriebene Autos sind sehr teuer, unpraktisch und nützen dem Klima fast gar nichts. Allein mit CO2-Preisen würden wir weder die Energiewende noch die Verkehrswende noch die Wärmewende nennenswert voranbringen. Zudem hat der Gesetzgeber ja separate CO2 Minderungsziele für die einzelnen „Energiesektoren“ Verkehr, Industrie, Gebäude festgelegt. Bei einem einheitlichen CO2 Preis würde aber CO2 vor allem dort eingespart wird wo es am preisgünstigsten geht.

    Marktwirtschaftliche Mittel beim Klimaschutz widersprechen nicht nur fundamental der öffentlichen Meinung sie sind auch unattraktiv für Politiker. Ein Politiker muss sich in irgend einer Form von seinem Mitbewerber am Stimmenmarkt differenzieren. Die schafft er nicht indem er sagt „ich weis nicht was richtig ist, das überlasse ich dem Markt“. Er erreicht es, wenn er sagt er setze sich für Bürgerwindparks ein. Oder wenn er wie Cem Ödemir sagt, er werde den Autokonzernen vorschreiben, dass sie Elektroautos bauen müssen, weil er sich für ihre Zukunft verantwortlich fühlt. Oder mit einer dirigistischen Industriepolitik wie Herr Altmaier. Frau Merkel hat bei einem Treffen von Autobossen klar gesagt, dass die Autoindustrie eine eigene Batteriefabrik in Deutschland bauen soll auch „wenn Sie böse schauen Herr Zetsche“ (=damals Daimler-Chef). Solche Politiker zeigen Führung sind unterscheidbar und werden gewählt.

    Mein Fazit:
    Die unsichtbare Hand des Marktes war noch nie populär und die Mehrheit will sie durch die sichtbare Hand des Gesetzgebers ersetzt sehen. Ich sehe nicht wie gerade beim Umweltschutz marktwirtschaftliche Methoden politisch eine Chance hätten.

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